Bertolt Brecht

"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt"

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Obwohl sein Vater katholisch war, wurde er nach dem Glauben seiner Mutter evangelisch getauft. 1917 machte Brecht das Notabitur, woraufhin er sich an der Universität in München immatrikulierte. Er belegte Kurse aus den Bereichen der Philosophie und der Medizin.

1918 wurde Brecht eingezogen und als Mediziner ans Augsburger Seuchenlazarett geschickt. Nach dem Krieg nahm er sein medizinisches Studium nicht mehr ernsthaft auf, stattdessen begann er das theaterwissenschaftliche Seminar zu besuchen. In dieser Zeit verkehrte er unter anderem mit dem Komiker Karl Valentin und entwickelte eigene dichterische Pläne. Schon bald war er dann auch dichterisch erfolgreich: Nach der Exmatrikulation 1921 erhielt Brecht 1922 den Kleist-Preis (nach dem Schriftsteller Heinrich von Kleist benannt und 1912, anlässlich seines 100. Todestages, zum ersten Mal verliehen; es war der bedeutendste Literaturpreis der Weimarer Republik) für Trommeln in der Nacht, was ihm eine Anstellung als Dramaturg bei den Münchener Kammerspielen einbrachte.

Im selben Jahr heiratete Brecht die Sängerin Marianne Zoff. Aus dieser Beziehung ging 1923 die Tochter Hanna hervor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Brecht bereits einen Sohn namens Frank, der aus seiner Beziehung zu Paula Bannholzer hervorging. Eine Hochzeit des Paares war von Brechts Eltern verhindert worden.

1924 zog Brecht nach Berlin, wo er Dramaturg am Deutschen Theater wurde. Dort konnte er auch seine eigenen Stücke aufführen. Außerdem bekam er einen weiteren Sohn, Stefan, von einer dritten Frau, Helene Weigel, obwohl er noch mit Marianne Zoff verheiratet war, von der er erst 1927 geschieden wurde. 1929 heiratete Brecht dann Helene Weigel.

Wie man sieht, sind Brechts Beziehungen zu Frauen nicht gerade einfach. Diese Tatsache spielt auch für seine Theaterarbeit eine Rolle, und so nahmen seine Affären auch nach der Hochzeit mit Helene Weigel kein Ende. Dennoch blieb das Paar bis zu Brechts Tod zusammen.

Von 1929 bis 1933 wurden Brechts Stücke am Theater am Schiffbauerdamm aufgeführt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Brecht 1933 über Prag, Wien, Zürich und Frankreich nach Dänemark. 1939 verließ er Dänemark und ging nach Schweden, 1940 nach Finnland und schließlich nach Santa Monica in die USA. Im Gegensatz zu anderen deutschen Schriftstellern, die in die USA auswanderten, war Brecht dort nicht allzu erfolgreich. Zudem musste er sich 1947 vor dem "Ausschuss für unamerikanische Umtriebe" verantworten. Der Ausschuss war 1938 eingerichtet worden, um Personen aus öffentlichen Ämtern in den USA fernzuhalten, die z.B. geheimen Tätigkeiten für politische Gegner nachgingen, wie z.B. Anhänger des Nationalsozialismus. 1945 wurde er zu einem Komitee umgewandelt, das hauptsächlich mögliche Kommunisten "überwachte". Noch im Jahr seiner Zitierung von diesen Ausschuss verließ Brecht die USA über Paris nach Zürich.

1948 ließ Brecht sich im bald zur DDR gehörenden Teil Berlins nieder. Dort gründete er das Berliner Ensemble, wo er unter der Leitung seiner Frau Helene Weigel die Möglichkeit hatte, eigene und fremde Stücke nach seinen Vorstellungen zu inszenieren.

Obwohl Brecht 1950 die österreichische Staatsbürgerschaft annahm und auch sonst ein eher schwieriges Verhältnis zur Partei und zum Staat der DDR hatte, erhielt er 1951 den Nationalpreis der 1. Klasse der DDR und 1954 den Stalin-Friedenspreis. Am 14. August 1956 starb Brecht in Ost-Berlin.

Obwohl sein Werk auch andere Gattungen umfasst, ist Brecht heute vor allem für sein dramatisches Werk und seine Theaterkonzeption berühmt. Waren Brechts Stücke anfänglich provozierend und politisch, so entwickelten sich unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Kurt Weill Stücke, in denen es Brecht gelingt, eine Einheit zwischen Lehrhaftem und Künstlerischem zu schaffen. Leben des Galilei oder Mutter Courage und ihre Kinder sind nur zwei von vielen möglichen Beispielen.

Meike Broscienski