Der Inhalt

Erster Akt

Die heruntergekommene Kleinstadt Güllen bereitet sich auf den Besuch von Claire Zachanassian vor. Nachdem die Wirtschaft in der Stadt zum erliegen gekommen ist, hofft man, dass Claire, mit bürgerlichem Namen Klara Wäscher, die vor fünfundvierzig Jahren die Stadt verlassen hat und nun eine bedeutende Multimilliardärin ist, durch großzügige Spenden der Gemeinde zu neuer Blüte verhilft. Der Kaufmann Ill, der früher mit Klara befreundet war, soll alte Gefühle wecken und so die Milliardärin milde stimmen.

Als die Zachanissian dann viel zu früh eintrifft - sie hat den Zug auf freier Strecke durch Ziehen der Notbremse angehalten -, ist noch nichts vorbereitet. Doch die Großzügigkeit der Milliardärin, die dem verdutzend Zugführer kurzerhand viertausend in die Hand drücken lässt, und ein vielversprechendes Annähren Ills lassen die Hoffnungen steigen. Der Bürgermeister, der Rektor des Gymnasiums und der Polizeiwachtmeister jedenfalls sind voller Hoffnung, auch wenn Klara ein teilweise sonderbares Verhalten an den Tag legt.

Im Konradsweilerwald, in dem Klara und Ill oft in ihrer Jugend unterwegs waren, keimen neben viel Frustration über das verkorkste Leben alte Gefühle auf und Klara verspricht dem Krämer, dem Städtchen ihrer Jugend zu helfen.

Das konkretisiert sie später vor der gesamten Gemeinde: Sie will Güllen eine Milliarde schenken und verlangt dafür Gerechtigkeit. Dem verdutzten Saal erklärt sie, was geschehen ist: Vor fünfundvierzig Jahren hatte der damalige Oberrichter Hofer eine Vaterschaftsklage zu behandeln. Klara klagte Ill an, der Vater ihres Kindes zu sein. Dieser bestritt die Tat und hatte zwei Zeugen mitgebracht, die er bestochen hatte und die beschworen, sie hätten mit Klara geschlafen. Die Klage wurde abgewiesen und Klara ging als Hure in ein Hamburger Bordell, wo sie später ein Milliardär sah und heiratete. Der ehemalige Richter ist nun Klaras Butler, die Zeugen ließ sie in der ganzen Welt suchen, finden, kastrieren und blenden. Nun will Klara Güllen eine Milliarde schenken, wenn jemand Alfred Ill tötet. Der Bürgermeister lehnt diesen Vorschlag im Namen der gesamten Bevölkerung entsetzt ab.

Zweiter Akt

Claire Zachanassian hat sich inzwischen in einem heruntergekommenen Hotel eingenistet. Währenddessen beginnen einige Bürger, beim Kaufmann Ill anschreiben zu lassen. Als dieser erkennt, dass seine Mitbürger auch in anderen Geschäften auf Kredit einkaufen, wendet er sich an die Polizei. Doch der Polizeiwachtmeister sieht keinen Grund, Klara zu verhaften. Ill bemerkt, dass auch der Polizist über seine Verhältnisse lebt - alle tragen neue gelbe Schuhe. Ill sucht den Bürgermeister auf. Dieser versichert ihm, dass niemand Ill töten will, doch der neue Wohlstand hat auch auf den Bürgermeister übergegriffen. Ill bekommt es mit der Angst zu tun. "Keiner will mich töten, jeder hofft, dass es einer tun werde und so wird es einmal einer tun." Er sucht Hilfe beim Pfarrer. Dieser rät ihm, aus der Stadt zu fliehen, um die Bürger nicht in Versuchung zu führen. Doch Ill erkennt, dass auch der Pfarrer sich dem Wohlstand nicht entziehen kann - eine neue Glocke ertönt.

Ill will zum Bahnhof, um von dort zu fliehen. Doch alle Bürger haben sich dort versammelt und halten ihn davon ab, den Zug zu besteigen.

Dritter Akt

Der Lehrer und der Arzt suchen Claire Zachanassian auf, um einen letzten Versuch zu starten, sie von ihrem Plan abzuhalten. Doch bald müssen sie erkennen, dass Klara ganz Güllen gehört und sie es war, die die Stadt in den Ruin getrieben hat. "Güllen für einen Mord, Konjunktur für eine Leiche."

Die Stadt unterdessen lebt weiter auf Kredit. Der Presse wird jedoch nichts von den Problemen mit Klara erzählt. Ill hat sich in sein Zimmer zurückgezogen, nur der betrunkene Lehrer könnte der Presse die Wahrheit erzählen, doch als er loswettern will, wird er von den Leuten abgehalten. Da erscheint Ill - und auch er befiehlt dem Lehrer zu schweigen. Ill hat sich in sein Schicksal gefügt.

Der Bürgermeister hat für den Abend eine Gemeindeversammlung einberufen. Es soll über den Vorschlag von Klara abgestimmt werden. Um vor der Presse zu bestehen, soll Ill offiziell zum Vorsitzenden einer von Klara einberufenen Stiftung ernannt werden. Ill will sich dem Beschluss der Versammlung stellen. Als der Bürgermeister vorschlägt, Ill solle sich selber töten, um die Gemeinde aus ihrer misslichen Lage zu befreien, lehnt dieser ab. "Ihr müsst nun meine Richter sein! ... Für mich ist es die Gerechtigkeit, was es für euch ist, weiß ich nicht. Gott gebe, dass ihr vor eurem Urteil besteht. Ihr könnt mich töten, ich klage nicht, ich protestiere nicht, ich wehre mich nicht, aber euer Handeln kann ich euch nicht abnehmen."

Ill nimmt von seiner Familie Abschied, indem sie mit dem neuen Wagen des Sohnes in den Konradsweilerwald fahren. Dort trifft er auf Klara, die ihm verspricht, seinen Sarg nach Capri in ein eigens gebautes Mausoleum zu bringen.

Auf der Gemeindeversammlung wird der Vorschlag, Ill zu töten, einstimmig angenommen. Noch im Theatersaal, wo die Gemeindeversammlung abgehalten wurde, findet Ill seinen mysteriösen Tod. "Herzschlag", wie der Arzt feststellt - so hatte es Klara zu Anfang gefordert. "Tod aus Freude". Klara will nun mit dem Leichnam nach Capri fahren, der Bürgermeister verlangt tonlos nach dem Scheck.

Thomas Krieger