Presse

Wenn Lux und Joseph um Suschens Gunst buhlen

Premiere der zweiten Oper Borbecker Gymnasien

Mittwochnachmittag in der Aula des Mädchengymna­siums, 14 Uhr 30 - die letzten Vorbereitungen für die Premiere lau­fen auf Hochtouren. Leichte Nervosi­tät macht sich unter den Akteuren breit. Stefan Lintermann, "Presse­chef' und "alter ego" des Barbierge­hilfen Adam, hat die Din-A-4 Kopien durcheinandergebracht, die am Don­nerstagabend das Eingangsplakat ab­geben sollen. Klarinettentöne erklin­gen, Anette Heuser, ein Viertel des Kammerorchesters, stimmt ihr In­strument, Schauspieler und Schau­spielerinnen trudeln ein. "Die Maske ist jetzt frei, wenn sich jemand schminken möchte. .." Thomas Krieger, Regisseur und "Dorf­schmied", hält die Fäden fest in der Hand.

Woran da so professionell, enga­giert und begeistert letzte Hand an­gelegt wird, ist das zweite Opern-Pro­jekt der "Arbeitsgemeinschaft Oper", eine Koproduktion des Gymnasiums Borbeck und des Mädchengymna­siums. Nach dem Erfolg des Orff-Werkes "Die Kluge" im vergangenen Jahr hatte der künstlerische Virus die jungen Erwachsenen ganz und gar befallen - freilich, treibende Kraft und geistiger Vater der Aktion war auch diesmal Arne Kovac, Musiker, Sänger, Schauspieler und Arrangeur in einer Person, ohne den diese Lei­stung wahrscheinlich nicht zustande gekommen wäre.

Der talentierte und geradezu mu­sikbesessene junge Mann fand vor fast einem Jahr den Stoff für die In­szenierung, die komische Oper in ei­nem Akt "Der Dorfbarbier" von Jo­hann Schenk aus dem Jahr 1796. Das für Orchester konzipierte Werk hat Arne Kovac musikalisch fast voll­ständig überarbeitet und re-arran­giert. Geeignet schien das Singspiel ihm vor allem deshalb, "weil es ohne Chor und ohne viele Frauenstimmen auskommt und keine allzu hohen Anforderungen an Sänger und In­strumentalisten stellt", wie er in dem Beiheft zur Aufführung schreibt.

Und so hatte "Der Dorfbarbier" denn Donnerstag vor einer Woche Premiere vor großem Publikum; die zweite Aufführung gab es am darauf­folgenden Freitagabend. Die Hand­lung des Stückes ist schnell erzählt: Der geldgierige Lux (Arne Kovac) ist Barbier und Quacksalber in einem Dorf, dessen Einwohner er im Krank­heitsfall mit seiner etwas wunderli­chen Schinkenkur zu kurieren sucht. Von seinen Fähigkeiten selbst ganz angetan, glaubt er auch seinem Mün­del Suschen (Angela Dahl), das er heiraten möchte, zu imponieren. Je­doch: Suschen und Pächterssohn Jo­seph (Oliver Schürmann) sind bereits ein Paar. Gemeinsam mit Schulmei­ster Rund (Andreas Döring) sinnen sie nun auf eine List, die Heiratspläne des ungeliebten Lux zu durchkreu­zen. Bei der Durchführung hilft ih­nen Barbiergehilfe Adam (Stefan Lin­termann), der seinem launischen und ungerechten Chef nur allzugern eins auswischt.

Die Besetzung, die außerdem aus Frank Wilde und Sören Brünning­haus in der Rolle der Bauern und der schauspielerisch absolut überzeu­genden Christina Drescher in der Rolle der Schmied-Witwe Margare­the bestand, war nahezu identisch mit den Personen des vergangenen Jahres. Beinahe der gesamte Chor des Gymnasiums Borbeck war in den männlichen Rollen vertreten. Von hoher Qualität auch das Kammer­orchester: Anette Heuser, Klarinette, Johanna Lazar, Flöte, Gerald Angst­mann, Violine, und Lehrer Stephan Müller am Klavier.

Für die Technik zeichneten verant­wortlicht Burkhard Angstmann, Claudia Neuse, Nicole Remy, Heike Rupp, Tanja Schloßnickl und Rabea Selnerath. Oliver Schürmann bear­beitete die gesprochenen Passsagen, die durch ihre Modernität und ihre Anspielungen in reizvollem Kontrast zu dem im Original belassenen Ge­sangspartien standen.

Der Enthusiasmus, mit dem fast ein Jahr lang an diesem Projekt gear­beitet wurde, zeigte sich nicht nur in den gelungenen und mit viel Ap­plaus bedachten Aufführungen, son­dern auch in Details (z. B. dem aus­führlichen und informativen Begleit­heft), sowie dem großen Ernst, mit dem die Beteiligten die Sache angin­gen, ohne daß der Spaß zu kurz kam. In diesem Jahr nun verlassen auch die letzten Mitglieder der Opern-AG die beiden Gymnasien - zu hoffen bleibt, daß sich Nachfolger finden werden - für "eine musikalische Her­ausforderung und ein Experiment in Sachen Selbsterfahrung."

Borbecker Nachrichten vom 14.02.1992

 

 

Ansprechendes Singspiel im Mädchengymnasium Borbeck

Dorfbarbier Lux wird über den Löffel barbiert

Was passiert mit einem eitlen Dorfbarbier, der neben der Pflege männlicher Kinnpartien sich auch auf die unorthodoxe Heilung von Krankheiten mittels Schinken verlegt hat und nebenbei auch durch die Heirat mit seinem Mündel Suschen eine einträgliche Partie machen will? Die Arbeitsgemeinschaft 'Oper' des Mädchengymnasiums Borbeck und des Gymnasiums Borbeck gab in der letzten Woche eine Antwort. An zwei Abenden brachten die Schüle­rinnen und Schüler (auch Ehemalige) in der Aula des Lyzeums die einaktige Komische Oper 'Der Dorfbarbier' von Johann Schenk zur Aufführung.­

Das Original, das an die Tradition des Wiener Singspiels erin­nert, mußte allerdings den Gegebenheiten und Möglichkei­ten der Ausführenden entspre­chend angepaßt werden. So berücksichtigten die musikali­schen Arrangements, daß der Ar­beitsgemeinschaft natürlich nicht das erforderliche Orchester zur Verfügung stand. In der Besetzung Klavier, Violine, Querflöte und Klarinette wurden die Gesangs­stücke kammermusikalisch be­gleitet.

Die gesprochenen Passagen, die den Handlungsbogen spannten, waren aus ihrer 'Altertümlichkeit' hin zu einer aktuellen, auch den lokalen Bezug nicht außer acht las­senden Form bearbeitet worden. Dabei fehlte auch nicht der Seitenhieb auf die unzulängliche Aula-Beleuchtung. Die Moritatentafel wurde durch den Diaprojektor ersetzt. Entsprechend auf heutige Zeiten waren auch Bühnenausstat­tung und Kostümierung getrimmt worden.

Der Dorfbarbier Lux, der neben der Rasur auch die Naturheilme­thode mittels Schinken beherrscht - mit wechselndem Erfolg - be­müht sich, wenn er nicht gerade seinen Gesellen striezt, um die Gunst seines Mündels Suschen, die ihres Vermögens wegen eine finanziell gesicherte Zukunft ver­spricht.

Die eher tölpelhaft Angebetete hat sich jedoch schon dem Burschen Joseph versprochen. Mit einer ge­meinsamen List, bei der Barbiergesell und auch Dorfschullehrer ihre Hände im Spiel haben, gelingt es, dem Happy End den Weg zu bereiten und auch dem Verprellten noch zu vermeintlicher Ehre zu verhelfen.

Die 90 Minuten bis zum Schluß­bild sind in ansprechender Form gestaltet. Eine Reihe treffsicherer Gags und Pointen kommen beim Publikum an. Wenn man das Werk von Johann Schenk als lockeres, wandelbares Singspiel betrachtet, wird die Laienaufführung, die un­ter der Gesamtleitung von Arne Kovac stand, in Bearbeitung, und. Ausführung der Sache durchaus gerecht. An einigen wenigen Stel­len hätte man den Begriff Oper allerdings nicht zu wörtlich neh­men sollen. Am Ende bedankten sich die Zuschauer mit viel Ap­plaus für eine gelungene Veranstaltung.

Hallo Essen vom 12.02.1992

 

 

Schultheater mit Tradition

Spielschar am Gymnasium Borbeck schon 1926

In Eigenregie führen Schüler des Gymnasiums Borbeck und Schülerinnen des Mädchengymnasiums am 6. und 7. Februar in der Aula an der Fürstäbtissinstraße die Oper "Der Dorfbarbier" auf. Franz-Josef Gründges hat die Aufführung zum Anlaß genommen, wieder einmal in alten Beständen des Schularchivs zu blättern. [...]

In jüngster Zeit hat die Theater- und die Musiktradition am Gymnasium Borbeck ihre Fortsetzung gefunden. Im Jahre 1990 führte die Theaterwerkstatt unter der Leitung von Lothar Pannenbäcker und Bernd Wilhelmi "Die Kleinbürgerhochzeit" von Bertolt Brecht auf (5. Juni 1990). Ein Jahr später trat eine Musik-AG des Gymnasiums Borbeck und des Mädchengymnasiums mit der Aufführung der Oper "Die Kluge" von Carl Orff ins Rampenlicht. Die Regie führte F. J. Gründges, die musikalische Leitung lag in den Händen von Monika Twiehaus (Musiklehrerin am Mädchengymnasium) und Stephan Müller (Musiklehrer am Gymnasium Borbeck).

Die Opernaufführung vom März 1991, Ergebnis einer hervorragenden Zusammenarbeit von Mädchengymnasium und Gymnasium Borbeck, führt in fast direkter Linie zu der eingangs erwähnten Aufführung der Oper "Der Dorfbarbier" am 6./7. Februar 1992. Denn fast alle Mitwirkenden von damals sind wieder dabei. Arne Kovac, Sascha Lintermann, Oliver Schürmann, Andreas Döring und wie sie alle heißen. Und die Mädchen vom Mädchengymnasium.

Borbecker Nachrichten vom 31.01.1992