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Theater Laien in der Geschwister-Scholl-Realschule

Zwischen allen Stühlen: Faust begeisterte das Publikum

Das Theater Laien begei­sterte mit einer überarbeite­ten Fassung des Faust in der Geschwister-Scholl-Real­schule in Borbeck.

Passend zum Goethe-Jahr präsentierte das Theater Lai­en das wohl bekannteste Werk des großen Dichters: die Tragödie Faust. "Das Theater Laien hat nicht direkt etwas mit der Geschwister-Scholl­-Realschule zu tun", erklärt Marc Weitkowitz, der als Faust überzeugte. "Wir haben nur das Glück, die Aula der Schule für unsere Aufführun­gen nutzen zu dürfen."

Faust ist das dritte Stück des Borbecker Laientheaters. "Nach den eher komödianti­schen Stücken der beiden ver­gangenen Jahre - dem Cyrano de Bergerac und dem Tol­patsch - hielten wir es an der Zeit, uns einmal ernsteren Stücken zuzuwenden. Und zum Goethe-Jahr bot sich der Faust natürlich an."

So probten die Mitglieder der Theatergruppe, die sich überwiegend aus Schülern und Studenten zusammen­setzt, ein halbes Jahr lang zweimal in der Woche drei Stunden die Tragödie des großen Dichters.

"Oliver Schürmann, der be­reits bei unseren anderen Stücken Regie geführt hat, überarbeitete den Text Goe­thes", berichtet Marc Weitko­witz. "Dabei wurde auch die Oper Margarethe von Charles Gounod berücksichtigt." So erwartete das Publikum in der Geschwister-Scholl-Real­schule eine gekonnte Verbin­dung von Text und Musik.

Bei der Inszenierung des Theater Laien standen weni­ger der teuflische Pakt zwi­schen Faust und Mephisto oder die Liebesgeschichte zwischen dem Wissenschaft­ler und Gretchen, als die Ph­sychologie der Hauptcharak­tere im Vordergrund. So bril­lierten vor allem Thomas Krieger als wahrhaft teufli­scher Mephisto und Frauke Krüger als naives Gretchen.

Einfallsreich zeigte sich die Theatergruppe auch in der Ge­staltung des Bühnenbildes: Zentrale Rolle spielten dabei einzelne Stühle, die - je nach Szene - variabel eingesetzt wur­den.

Sie dienten der Hervorhe­bung bestimmter Sequenzen des Stückes, indem der Schauspieler sich - auf einem Stuhl stehend - von den anderen Be­teiligten deutlich abhob, oder kennzeichneten die Gefängnis­mauern des Kerkers.

Auch die Unterteilung der Bühne in einen schwarzen, ei­nen grauen und einen weißen Bereich unterstrich die Stellung der einzelnen Charaktere. Me­phisto trat niemals in den weißen, den moralisch guten Bereich, während sich Gret­chen, trotz ihrer Fehltritte, nie­mals in den schwarzen Bereich verirrte.

Sowohl die Gestaltung des Bühnenbildes als auch die Leistung aller Beteiligten tru­gen zu einer rundum gelunge­nen Inszenierung des Goethe-Stoffes bei. Das erkannte auch das Publikum und dankte den Schauspielern mit anhalten­dem Applaus und begeisterten Zurufen. Bleibt zu hoffen, daß es auch im nächsten Jahr wie­der eine Aufführung des Thea­ter Laien geben wird.

Borbeck Kurier vom 21.03.1999

 

 

,Laien' spielen Faust

Goethe-Klassiker in der Geschwister-Scholl-Schule

BORBECK. Goethes Faust steht morgen, 19. März, noch einmal auf dem Spielplan der Schauspiel­gruppe "Theater Laien" in der Aula der Geschwister-­Scholl-Schule. Der Vor­hang hebt sich um 19.30 Uhr.

Nach "Cyrano de Bergerac" von Rostant und Molieres "Tol­patsch" widmen sich die "Thea­ter Laien" in diesem Jahr dem ersten Teil der Goethe-Tragö­die. Fast sechs Monate probte die Schauspielgruppe, die be­reits seit 1991 besteht, für die Aufführung. Präsentiert wird die Tragödie in einem Prolog und vier Akten nach einer Bearbei­tung von Oliver Schürmann.

Der Eintritt kostet für Erwach­sene acht Mark, ermäßigt fünf Mark.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 18.03.1999

 

 

Alten Faust neu inszeniert

TheaterLaien in der Geschwister-Scholl-Realschule

Was will man bei Goethes Faust eigentlich noch neu inszenie­ren?" So fragte sich wohl manch ein Besucher, bevor er im Goethe­jahr die Aufführung der "TheaterLaien" in der Aula der Geschwi­ster-Scholl-Realschule sah.

Eines gleich vorweg: die Auffüh­rung der "TheaterLaien" war - in einer Überarbeitung von Oliver Schürmann, der sich an den Vorlagen von Johann Wolfgang von Goethe und Charles Gounod orientierte - grundlegend neu in Sze­ne gesetzt mit Farben und Stilmit­teln. Und in der Charakterisierung der Personen. Zum Schluß gab es daher verdient viel Applaus.

Wie es schon das Titelbild des Programmheftes treffend zeigt: Hier ging es darum, wie das Gute und das Böse am menschlichen Herzen zerren, es zu zerreißen dro­hen. Dieses Hin- und Hergerissen sein, dieses Wankelspiel zwischen Gut und Böse wird auf der Bühne durch die Farben Schwarz, Weiß und Grau dargestellt. Es sind die verschiedenen Ebenen, auf denen sich die einzelnen Akteure nach moralischen und ethischen Ge­sichtspunkten bewegen.

Dieses Bedrohliche des "Herz­zerreißens", des Zerreißens der Person wird bereits im Prolog deut­lich. Obwohl sich diese Szene im Himmel abspielt, herrscht hier Chaos. Stühle, die im weiteren Ver­lauf der Inszenierung eine gewich­tige Rolle für das Bühnengesche­hen übernehmen werden, türmen sich im rechten und linken Teil der Bühne chaotisch aufeinander. Im Hintergrund stehen auf Stühlen zehn Personen: Menschen, die der Versuchung des Teufels anheim fallen - dies symbolisiert durch ei­nen Apfel, in den ein jeder beißt, wenn Mephisto auf ihn deutet.

Mephisto (Thomas Krieger) sieht sein Lebenselixier darin, alles, was anderen Lebensfreude, Glück be­reitet, zu verderben. Er weidet sich am Schmerz, am Gram der Ande­ren, und ist nur zufrieden, wenn er irgendwo irgend jemand zerstören kann. Doch genügt ihm das allein nicht mehr. Deswegen geht der Herr (Jörg Weitkowitz) mit ihm eine Wette ein: Mephisto darf sich bemühen, den alternden Faust (Marc Weitkowitz), der nach All­wissenheit strebt, vom rechten Weg abzuführen. Faust soll für den Teu­fel zum Werkzeug werden, das nach seinem Willen Schlechtes tut. Der Herr hingegen ist überzeugt, daß sich jeder Mensch des rechten Weges wohl bewußt ist.

Mephisto hat leichtes Spiel mit Faust. Dieser befindet sich in abso­lutem inneren Unfrieden. Er hat er­kannt, daß er trotz lebenslangen Forschens und Lernens niemals all­wissend werden wird. Mehr noch: seine bisherige Arbeit ist eigentlich wertlos, da sich Ansichten und Theorien völlig ändern können. Und: Über all seiner Arbeit hat er vergessen zu leben. Weder Ruhm noch das Glück der Liebe hatte er erfahren dürfen. So versucht er al­les, um seinem Ziel näher zu kom­men. Er übergibt sich der Magie und will sich mit Geistern verbin­den. Und tatsächlich gelingt es ihm, einen Geist (Philipp Seibel) herbei­zubeschwören. Doch dieser treibt bloß Spott mit Faust.

Auch ein Gespräch von Faust mit seinem naiven Schüler Wagner (Si­mon-Alexander Jakobi) nährt nur seine Selbstzweifel. Er versucht schließlich, sich durch einen Gifttrunk umzubringen, im letzten Moment wird er durch Chorgesänge daran gehindert. Da er für sich kei­nen Ausweg mehr sieht, beschließt er, einen Pakt mit dem Teufel ein­zugehen. - Auch äußerlich ver­wandelt sich Faust: Er, der zuvor weiß gekleidet war, trägt nun schwarz.

Wie leicht auch andere Men­schen auf den Teufel hereinfallen und sich mit ihm verbünden, zeigt die nächste Szene. Auf dem Markt­platz feiern die Soldaten mit ihren Frauen und Freundinnen ein gro­ßes Fest, bevor sie in den Krieg zie­hen. Unter ihnen auch Valentin (Björn Huestege), der seine Schwe­ster Margarete (Frauke Krüger) in die Obhut von Seibel (Sören Hue­stege) gibt.

Faust hat Margarete gesehen und sich in sie verliebt. Da Margarete ihn zunächst abweist, gibt Mephi­sto Faust den Rat, ihr Herz mit Schmuck zu erobern. Tatsächlich scheint der Plan aufzugehen, denn der Schmuck gefällt Margarete und ihrer Nachbarin Marthe (Claudia Rupp). Damit Faust und Margarete einander näher kommen können, umgarnt Mephisto Marthe.

Naiv und völlig unberechnend läßt sich Margarete auf die Liebe Fausts ein. Doch die daraus entstehende Situation kann sie nicht mehr überblicken. Dem Gespött der Straße und den Schikanen der Nachbarn ist sie schutzlos ausgelie­fert.

Als die Soldaten aus dem Krieg zurückkehren, entdeckt Valentin, daß seine Schwester Margarete hoch schwanger ist. Er macht ihr schwere Vorwürfe, da er sich in sei­ner Ehre hintergangen fühlt. Der Teufel zettelt einen Zweikampf zwischen Valentin und Faust an, in dessen Verlauf Faust Valentin tötet. Sterbend verflucht er Margarete und ihr Verhalten - und verliert dadurch seine Seele.

Dieser Fluch scheint sich zu er­füllen. Denn als Margarete ihr Neu­geborenes im Dom taufen und den Herrn um Verzeihung bitten will, jagt Mephisto ihr solche Angst ein, daß sie schließlich ihr Kind er­tränkt und selbst dem Wahnsinn verfällt.

Auch in dieser Szene sind die Stühle als Stilmittel eingesetzt. Sie, die eigentlich zur Ruhe, zum Ver­weilen einladen und dadurch im Gotteshaus Frieden finden lassen, werden für Margarete zu undurch­dringlichen Mauern: innerlich wie äußerlich. Die Stühle werden für Margarete zunehmend zum Ker­ker, in den sie sich selbst ein­schließt.

Faust will Margarete befreien. Doch Margarete, die unschuldig Schuld auf sich geladen hat, ist be­reit dafür zu sühnen. Sie wird hin­gerichtet - ihre Seele jedoch ist ge­rettet. Der Triumphruf Mephistos verhallt, während der Herr Marga­rete auf seinen Armen in sein Reich trägt.

- Die nächste Aufführung ist am 19. März um 19.30 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Realschu­le. Ein Termin, den man sich unbe­dingt vormerken sollte.

Borbecker Nachrichten vom 18.03.1999