Der 1919 nach einer Idee des Münchner Komikers Karl Valentin entstandene Einakter ist zweifellos eines der effektvollsten Stücke Brechts. Mit phänomenaler Beobachtungsgabe nimmt Brecht in seiner „Kleinbürgerhochzeit“ auf eine locker-frivole Art das Spießertum einer deutschen Kleinstadtfamilie während einer Hochzeit aufs Korn. Der „schönste Tag“ im Leben - die Hochzeitsfeier im Kreise von Eltern, Freunden, Verwandten - gerät zur desaströsen Farce, in deren Verlauf nicht nur die vom Bräutigam selbst gezimmerten Möbel zu Bruch gehen, sondern auch die Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit gnadenlos demontiert und ad absurdum geführt wird. Auf Möbeln ohne festen Halt, bei Anekdoten ohne Pointe und immer dreister werdenden Gesprächen unter den Festgästen bricht die Hochzeitsparty schon bald zusammen. Da helfen auch kein Kabeljau und keine Reden mehr. Am Ende wird die Wohnung zum Schlachtfeld und die Ehe zur Farce. Der Mensch in seinen Bemühungen um eine heile Welt wird zur Witzfigur, sein Traum vom eigenen Heim zum Albtraum. |