Der Inhalt

Wir schreiben die frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. In England stellt die Conservative Party die Mehrheit im House of Commons.

Nicht für jeden Politiker gehören Debatten und Sitzungen, die die Nacht überdauern, zum beliebtesten Teil des Mandats. So geht es auch Richard Willey. Seines Zeichens direkt dem Premierminister unterstellt, ist er als begnadeter Redner die Geheimwaffe der Regierung, wenn es um heikle Angelegenheiten geht. Mr. Willey behält in prekären Situationen einen kühlen Kopf und ist damit eine harte Nuss für Neil Kinnock und die Opposition im Parlament.

Richard steht ein Abend mit einer Parlamentssitzung, die seiner Einschätung nach Routine werden wird, bevor. So ist es naheliegend, seine Anwesenheit als „optional“ einzuschätzen und angenehmere Alternativen für die Nacht zu planen. Mr. Willey, dem sein Ruf als Schürzenjäger vorauseilt, hat ein Auge auf Neil Kinnocks junge Sekretärin, Jane Worthington, geworfen. Eine Parlamentssitzung, die für die ganze Nacht angesetzt ist, bietet für seinen Seitensprung das ideale Alibi gegenüber seiner Frau, Janes Chef ist beschäftigt und das Westminster-Hotel ist praktisch gegenüber des House of Commons gelegen. Alles ist perfekt – vielleicht zu perfekt.

In Hotelsuite 648 plant Richard Willey einen intimen, ungestörten Abend mit Jane Worthington. Er schmuggelt sie in die Suite und es scheint nur noch wenig Vorbereitung notwendig zu sein: der Hotelmanager freut sich über den hohen Gast, ist persönlich um dessen Wohlergehen bemüht und muss entsprechend noch formell aus der Suite verabschiedet werden. Allerdings muss noch sichergestellt werden, dass Richards Frau zu Hause beschäftigt ist, bevor vor einer beeindruckenden Kulisse mit Blick über der Themse, Tower und Parlament zum angenehmen Teil übergegangen werden kann. Alles kein Problem. Oder doch?

– An dieser Stelle beginnt der Spoiler-Teil. Wenn Sie, lieber Leser, das Stück mit all seinen Wendungen und Überraschungen erleben möchten, sollten Sie hier das Lesen beenden. –

Das Öffnen der Vorhänge gibt den Blick auf einen leblos im Fenster hängenden Körper frei. Der Anblick schockiert Jane und bringt Richard Willey in Bedrängnis: plötzlich fühlt er sich ertappt, spürt bereits die Presse im Nacken und sieht seine Karriere in Gefahr.

Mit der Routine eines Politikers, der es gelernt hat, mit heiklen Situationen umzugehen, versteckt Richard kurzerhand den Körper im Schrank und plant dessen „Entsorgung“ durch seinen Sekretär, George Pigden. Dieser eilt zum Hotel und ist wenig begeistert über den Plan, aber loyal genug, Mr. Willey zu unterstützen.

Der Plan, die Aktion möglichst unauffällig im Hintergrund durchzuführen, wird jedoch von dem Umstand erschwert, dass der Hotelmanager besonderen Wert auf die Sicherheit und Zufriedenheit des Gastes legt. Inzwischen hat ein anderer Hotelgast einen mutmaßlichen Einbrecher gemeldet, der laut seiner Aussage versuchte, über den Balkon einzudringen. Richard, George und Jane sind daher gezwungen, neue Ausreden zu erfinden, die den Hotelmanager und den Kellner davon abhalten, den leblosen Körper aufzufinden und die Polizei zu rufen. Außerdem muss die Anwesenheit von Jane selbst gerechtfertigt werden, die daher fortan Georges Braut spielt, die mit ihm die Flitterwochen in der Nachbarsuite verbringen will.

Zum diskreten Abtransport wird der Plan gefasst, den Körper als betrunkenen Gast der Hochzeitsfeier im Rollstuhl aus dem Haus zu schieben. Der benötigte Rollstuhl sowie andere Utensilien werden vom Kellner gerne bereitgestellt, der die Chance ergreift, von der Situation zu profitieren: jeder Handgriff muss ab sofort mit einem übertrieben hohen Trinkgeld erkauft werden.

Kaum scheint die Situation unter Kontrolle, taucht Janes zwischen Wut und Verzweiflung wechselnder Ehemann Ronnie auf der Suche nach seinem Privatdetektiv auf. Offenbar war der Seitensprung nicht so unentdeckt geblieben, wie Mr. Willey es sich erhofft hatte. Die Identität des Körpers ist damit geklärt und die Geheimhaltung der Vertuschungsaktion noch wichtiger geworden. Ronnie wird auf eine falsche Fährte geschickt und der Plan kann weiter verfolgt werden.

Dann geschieht das Unerwartete: der vermeintliche Tote erwacht, hat zwar durch den Schlag sein Gedächtnis verloren, die Erinnerung scheint aber nach und nach zurückzukehren. Immer neue Fronten tun sich auf und das Netz der eilig erdachten Lügen breitet sich aus. Widersprüche müssen erklärt werden und gerade, als sich für einen Moment die Situation zu beruhigen scheint, taucht Richards Ehefrau auf. George weiß sich nicht anders zu helfen, als ihr den schmachtenden Liebhaber vorzuspielen, der sie in der Nachbarsuite verführen will.

Zu allem Überfluss ist Georges Mutter von seiner Hochzeit unterrichtet worden und hat ihre Betreuung, Schwester Foster, vorbei geschickt, nach dem Rechten zu sehen. Als dann im Parlament das Fehlen Richards in der zwischenzeitlich außer Kontrolle geratenen Debatte bemerkt wird, ist das Chaos komplett und der Zusammenbruch des Lügengeflechts kann nur noch um Haaresbreite abgewendet werden.

Marcel Witte