Gladys Heppleworth

Geboren 1889 in Berkshire, durchlebte Gladys eine schwere Kindheit in einem Waisenhaus, aus dem sie im zarten Alter von 17 Jahren floh. Über Umwege über Glasgow und Birmingham verschlug es die junge Britin 1910 endlich nach London, wo sie als Stenotypistin einen Job in einer Anwaltskanzlei annahm. In der Abendschule lernte sie ihren ersten Mann George Browning kennen, durch den sie ihre Liebe zur Literatur und zu den schönen Künsten entdeckte. Erste Romane und Kurzgeschichten für diverse Londoner Zeitungen folgen, so auch ein erster Ausflug in die erotische Literatur: Der tuschelnde Trojaner, Die Moneten des Marquis bringen jedoch nicht die erhofften Erfolge.

Nach einem persönlichen Schicksalsschlag – sie erwischt ihren Mann mit dessen Cousin in einer äußerst delikaten Situation, wendet sich Gladys dem Drama und dem Kriminalroman zu. Ein Genre, in dem sie bei Kennern schon bald als Geheimtipp gehandelt wird. Schon um 1925 werden erste Bühnenfassungen ihrer Werke wie z. B. Tödliches Erbe und Kaltblütig im Londoner Westend aufgeführt. Doch lange soll dieser Erfolg nicht anhalten – 1931 wird sie für ihr Werk Der Mops mit der Maske von einem bekannten englischen Autor wegen Plagiats verklagt. Heppleworth verliert den Prozess, muss eine hohe Strafe zahlen und verliert die Lust am Schreiben. Zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Clive Berry zieht sie sich auf ein Landschloss von Berrys Verwandten zurück, wo sie eine Stelle als Gesellschafterin annehmen muss. Dort wird sie 1934 von einer überraschenden Schwindsucht dahingerafft.

Soweit gibt der Verlag die Biographie der Autorin an. Doch bei genauerem Hinsehen macht der Lebenslauf stutzig. Erlaubt sich etwa der Verlag einen Scherz mit uns, ähnlich wie es im Stück Miss Jane macht? Werfen wir also einen Blick nach Hamburg, genauer gesagt ins Imperial Theater. Dort wurde das Stück 2008 uraufgeführt. Alleine Datum und Ort der Uraufführung geben zu denken. Also machen wir uns für die weiteren Recherchen auf nach Hamburg.

Das Imperial Theater wurde am 19. August 1994 in einem ehemaligen Premieren- und späteren Pornokino am Anfang der Hamburger Reeperbahn eröffnet. Seit dem Jahr 2003 hat man sich auf Kriminalstücke spezialisiert und gilt seither als Hamburgs Krimitheater.

Dort war ich übrigens bereits mit unseren ehemaligen Ensemble-Mitgliedern Dajana und Arne Kovac sowie Björn Huestege zu Gast, als wir uns Agatha Christies Die Mausefalle ansahen.

Zum fünfjährigen Jubiläum des Krimitheaters und vierzehn Jahre nach der Eröffnung des Theaters, genau am 19. August 2008, gab es die Uraufführung von Fünf Frauen und ein Mord. Bis dahin hatte man mehrheitlich Stücke von Edgar Wallace auf die Bühne gebracht, und so überrascht es nicht, dass der Name Gladys Heppleworth auch einem Roman von Edgar Wallace entstammt, nämlich dem Klub der Vier, in dem die Figur im fünften Kapitel auftaucht. Dieser Zusammenhang erklärt dann auch die Andeutungen im Lebenslauf der fiktiven Autorin.

Wer auch immer nun tatsächlich dieses Stück verfasst hat, ob es nun ein „Einzeltäter“ oder das Ensemble des Imperial Theaters war, ein herzlicher Dank für dieses unterhaltsame Stück, das in den letzten Jahren von zahlreichen Theatern quer durch Deutschland gespielt wurde und das mit einer so überraschenden Auflösung daher kommt, dass unser Gesamtleiter sie immer wieder vergisst – und das ist auch gut so. Schließlich wollen wir Ihnen ja die Spannung nicht nehmen!

Thomas Krieger