Cole Porter

I. Seine Familie

Cole erhielt seinen Namen von den Nachnamen seiner Eltern, Kate Cole und Sam Porter. Kates Vater, James Omar (bekannt als J. O.), war sehr einflussreich in Coles Leben. Sein Geschäftssinn brachte ihm jede Menge Reichtum ein, trotz seines bescheidenen Anfangs als Sohn eines Schuhmachers. Seines fast zwanghaften Drangs zum Geldmacken zum Trotz heiratete er Rachel Henton und hatte mit ihr mehrere Kinder.

Kate Cole wurde 1862 bereits als das Kind des reichsten Mannes in Indiana geboren. Sie hatte stets die beste Kleidung, die beste Ausbildung und das beste Training in Fertigkeiten wie Tanzen und Musik. Ihr Vater setzte alle Erwartungen darauf, sie mit einem Mann zu verheiraten, der im Geschäftsleben stand, eine starke Persönlichkeit war und das Potential für eine gute erfolgreiche Karriere aufwies. Wie es jedoch häufig in solchen Dingen geschieht, heiratete Kate jemanden, der so ziemlich das Gegenteil von all dem war, nämlich einen schüchternen Drogisten aus ihrer Heimatstadt Peru in Indiana.

Das Paar heiratete ohne volles Einverständnis von J. O., erhielt aber für die Hochzeit und auch danach finanzielle Hilfestellung. Weil er einer der reichsten Männer in Indiana war, "musste" seine Tochter dabei gesehen werden, wie sie die richtigen Dinge tat und trug, ohne finanzielle Ängste leiden zu müssen. Diese Unterstützung von J. O. finanzierte den Rest von Sam und Kates Leben und auch das von ihrem Sohn, der am 9. Juni 1891 geboren wurde.

II. Seine frühen Jahre

Cole Porter begann im Alter von sechs Jahren damit, Klavier und Violine zu spielen. Er wurde in beidem sehr gut, mochte aber den Klang der Geige nicht, so dass das Klavier sehr wichtig für ihn wurde. Ein tägliches Übungspensum von zwei Stunden pro Tag waren notwendig dafür, dass er seine Fähigkeiten so weit entfalten konnte, dass er besser als seine Altersgenossen war. Beim Üben verbrachten seine Mutter und er viel Zeit damit, bekannte Melodien auf dem Klavier zu parodieren. Historiker haben spekuliert, dass es diese Parodien waren, die Coles Sinn für Humor für die Lieder schliffen, die er später schreiben sollte. Zugunsten Coles zurechtgeschliffen wurde auch die Wahrheit: Als Cole vierzehn Jahre alt war, veranlasste die Mutter eine Fälschung der Schulaufzeichnungen, so dass es schien, er sei ein besonders intelligenter Zwölfjähriger, also seinen Altersgenossen noch weiter überlegen.

Das Geld, das J. O. seinem Enkel widmete, erlaubte Kate viele solcher ungewöhnlichen Begünstigungen in ihrer Gemeinde. Zum Beispiel finanzierte Kate Studentenorchester, wenn diese im Austausch dafür Cole Violinsolos anboten und beeinflusste anscheinend auch die Kritiken der Medien bei diesen Konzerten. Außerdem subventionierte sie die Veröffentlichung von Coles frühen Kompositionen. Klein Cole komponierte bereits 1901, also im zarten Alter von zehn Jahren, ein Lied, das seiner Mutter gewidmet war. Seine Mutter sicherte ab, dass 100 Kopien produziert wurden, so dass sein Stück zu Freunden und Verwandten verschickt werden konnte.

Im Jahre 1905 wurde Cole Porter in der Worcester-Schule angemeldet. Ein wichtiger Einfluss für Coles Musik war Dr. Ambercrombie, der ihn die Beziehung zwischen Wort, Versmaß und Musik lehrte: "Words and music muss be so inseparably wedded to each other that they are like one." (Text und Musik müssen so untrennbar verknüpft miteinander sein, dass sie wie eins sind).

III. Seine Jahre in Yale

Cole Porter wurde in Yale schnell bekannt für die Kampflieder, die er schrieb und von denen viele heute in Yale als Klassiker gelten. Während dieser Zeit hatte seine Homosexualität einen starken Einfluss auf Coles Leben. Einige Biographen haben spekuliert, dass seine spätere Präferenz für große starke Männer und die große Anzahl an Yale-Football-Kampfliedern kein Zufall sei.

Der vielleicht größte Einfluss in seiner musikalischen Entwicklung waren die für College-Verhältnisse großen Produktionen für die Delta Kappa Epsilon Brüderschaft, Yales Theatervereinigung sowie Soloauftritte im Yale Glee Club. Die meisten dieser Shows waren verrückte und stets komplizierte Musicals, die oft von der Überlegenheit oder dem sexuellen Fortschritt von Yales Männern handelten. Diese Shows waren in erster Linie für eine Zuhörerschaft aus Yale gedacht. Cole hatte stets einen Einfluss auf die energiegeladene Art der Verknüpfung von Handlungsfäden und die ausgeklügelte Surrealität, die alle seine Musicals auszeichnet. Dabei ist recht verwunderlich, wie er es schaffte, pro Jahr mehrere große Musikshows zuzüglich einiger einzelner Songs zu komponieren, wenn man den Arbeitsaufwand und ver­schiedene soziale Verpflichtungen an einer amerikanischen Eliteuniversität berücksichtigt.

Unmittelbar auf Yale folgte eine misslungene Jura-Karriere in Harvard. Coles Großvater, der alle Rechnungen bezahlte, missbilligte die Künstlerlaufbahn seines Enkels und versuchte Cole zu bewegen, Richter zu werden. Cole besuchte anfangs in der Tat Jura-Vorlesungen, aber sein Hauptaugenmerk galt stets der Musik. J. O. wurde nicht darüber informiert, dass Cole in seinem zweiten Jahr von der Jura-Schule zur Schule für Künste und Wissenschaften in Harvard wechselte. Später brach seine Studien ganz ab, zog in den Yale Club in New York und begann seine professionelle Musikkarriere.

IV. Karriere und Reise

Coles erste Show am Broadway, "See America First", war ein Flop. Dennoch war er in New Yorks Szene prominent und lebte auch weiterhin im Yale Club. Im Juli 1917 brach er nach Paris und dem kriegsbeeinträchtigten Europa auf. Paris war ein Ort, wo Cole sozial florierte. Er verbreitete erfundene Geschichten über seine angebliche Arbeit bei der französischen Fremdenlegion und Armee, was ihm erlaubte, ein schönes Leben als reicher Amerikaner in Paris zu führen, Angehöriger der Schickeria mit wachsendem Status zu sein und dennoch zu Hause als "Kriegsheld" bewundert zu werden.

1919 lernte Cole die Amerikanerin Linda Thomas kennen. Die zwei wurden schnell gute Freunde, und finanzieller Status sowie soziale Position machten ideale Heiratskandidaten aus den beiden. Sie heirateten am 19. Dezember 1919 und begannen ein glückliches (wenn auch sexloses) und größtenteils erfolgreiches Leben zu führen.

V. Die späteren Jahre

Nach ein paar Eintagsfliegen wie "Don't Fence Me In" unterzeichnete Cole einige Verträge mit der Filmindustrie. Der erste Film, der einen Song von Cole Porter enthielt, war "Die Schlacht von Paris" (1929), aber die beiden Stücke aus diesem Film hatten wenig Auswirkungen auf seine Karriere wegen der im allgemeinen geringen Qualität des Filmes. Cole war zufrieden mit vielen Aspekten Hollywoods, insbesondere der liberalen Einstellung zur Homosexualität. Obgleich nicht endgültig geklärt ist, warum Linda das neue Zuhause in Hollywood nicht mochte, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Hauptreibung von Coles nun öffentlicheren sexuellen Eskapaden herrührte. Zu jener Zeit war es wenig akzeptabel, ein exzentrischer schwuler Künstler zu sein, und Linda fürchtete um Coles guten Ruf und Karriere. Charles Schwartz bemerkt in seiner Biographie über Cole Porter, dass Oscar Wilde gerade einmal vierzig Jahre vorher inhaftiert worden war.

1937 war Cole in einen Reitunfall verwickelt, bei dem er sich beide Beine brach. Dies war eine Tragödie für den Komponisten, der aus sozialen und sexuellen Gründen viel Wert auf sein Aussehen legte. Seine dynamische Energie und ununterbrochene Besessenheit, sein Aussehen durch aufwendige tägliche Rituale zu erhalten, konnten diesen Schlag für Gesundheit und Ego nicht kompensieren. Er verbrachte mehrere Monate im Krankenhaus, was eine gewaltige Ohrfeige für seine mentale und physische Gesundheit bedeutete. Noch schlimmer wurde es, als ihm ein Bein amputiert werden musste. Trotzdem konnte all das ihn nicht davon abhalten, weiter Musik zu komponieren. In dieser Zeit entstanden Songs wie "Most Gentlemen Don't Like Love", "Tomorrow", "From Now On", and "Get Out Of Town."

1945 gab er seine Erlaubnis zum dem biographischen Film "Night and Day". Traurigerweise hatte der Film jedoch wenig Bezug zum wirklichen Leben von Cole Porter. Wichtige Lebensabschnitte fehlten, wie seine verwöhnte und kontrollierte Kindheit. Stattdessen wurden die großen Geschichten präsentiert, die Cole Porter selbst der Welt erzählt hatte. Obwohl er beispielsweise nie in der französischen Armee gedient hatte, berichtete der Film detailliert von seinen Heldentaten.

An dieser Stelle folgte die größere Produktion "Kiss Me, Kate", die auf auf Shakespeares berühmter Vorlage "Taming of the Shrew" basierte. Cole war sehr skeptisch bezüglich dieser Produktion, begann aber schließlich mit seiner Arbeit, die sich als sehr erfolgreich erweisen sollte.

Die folgenden Jahre sahen einige weniger erfolgreiche Werke und die Amputation seines rechten Beines im Frühjahr 1958. Nach dieser Operation verkümmerte seine Kreativität, und er starb am 15. Oktober 1964. In Übereinstimmung mit seinen Wünschen wurde er zwischen seiner Frau Linda und seinem Vater Sam Porter beerdigt.

Arne Kovac