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Theater Laien präsentierten einen mitreißenden Tolpatsch

Borbecker Schauspielgruppe demnächst in der Casa Nova

"Ein herrlicher Abend", schwärmten viele der rund zwei­hundert Besucher, die in die Aula der Geschwister-Scholl-Realschule gekommen waren, um die Moliérs Verskomödie "Der Tolpatsch" zu sehen. Das "Theater Laien" hatte - in einer gründlichen Überarbei­tung von Oliver Schürmann - das 1655 in Lyon uraufgeführte Stück, inszeniert und es geschafft, die Zu­schauer - wie einst - mitzureißen.

Geradezu phantastisch, welche Ausdruckskraft und gleichzeitig kindliche Naivität der Titelheld, Marc Weitkowitz, dem Tolpatsch - alias Lelio - zu verleihen wußte. Dieser bedauernswerte Held, ringt um seine geliebte Celia mit viel Ge­fühl und Engagement, steht sich dabei aber immer wieder selbst im Wege.

Ebenso großartig verstand es Thomas Krieger der beherrschen­den Figur, Mascarill, die Pfiffigkeit zu geben, die die Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln und La­chen hinriß, vor allem weil Masca­rill sich selber persiflierte. Origi­nell war auch die Sprache, die sich aus einer Mischung aus Gassenjar­gon, Küchenlatein und lyrisch-tän­zerischen Versen zusammensetzte.

Feiner Witz und Wortklauberei durchzogen wie ein roter Faden selbst die banalsten Gespräche. Da­bei hält sich die Aufführung weder sprachlich noch inhaltlich skla­visch an die Vorgaben von Jean Baptiste Molière. Dennoch reiht sich Oliver Schürmann mit seiner spritzig modernen Bearbeitung in eine lange Tradition ein. Welch fei­nen Wortwitz er dabei beherrscht, verrät bereits der Titel Werkes: "Der Tolpatsch. Komödie mit einem Fahrstuhl und fünf Aufzügen."

Interessant die Inszenierung: Oliver Schürmann übersetzt das Stück in die Neuzeit, es spielt in einem Hotel. Der junge Hotelpor­tier Lelio (Marc Weitkowitz) ist verliebt in Celia (Claudia Rupp), die Sekretärin von Truffaldin (Si­mon-Alexander Jakobi), der sie an­geblich gegen eine hohe Ablöse­summe von einem anderen Arbeit­geber übernommen hat.

Um Celia zu gewinnen, muß Le­lio sie Truffaldin abhandeln. Das ist aber nicht einfach: Erstens braucht er dazu Geld, zweitens muß er sich vor seinem Vater in acht nehmen, der ihn mit Hippolyte (Frauke Krü­ger) verheiraten will, und drittens hat er einen Rivalen, Leander (Alexander Knauer), der ebenfalls in Celia verliebt ist.

Lelios Freund und ebenfalls Ho­telportier Mascarill (Thomas Krie­ger) ersinnt eine Menge Möglich­keiten, um Geld aufzutreiben und um alle Schwierigkeiten, die sich der Verbindung seines Freundes mit seiner Angebeteten entgegen­stellen, zu überwinden; doch ist es nicht zuletzt der unbesonnene Le­lio selbst, der den Erfolg von Mas­carills Gaunereien und Intrigen immer wieder verhindert.

Mascarill wird böse: "Die Liebe macht blind, taub - aber leider nicht stumm!" Schließlich droht er, seinen Freund zu verlassen, ist dann aber bereit, ihm weiterhin zu helfen - nicht nur aus Freund­schaft, sondern auch, um sich und seinen Ideenreichtum ("Im Schwei­ße meines Angesichts ließ ich ewig meine grauen Zellen arbeiten...") nicht als gescheitert erklären zu müssen.

Den Höhepunkt aller Intrigen und Verwechslungen bietet schließlich der Maskenball. Hier taucht nicht nur ein weiterer Be­werber um Celias Gunst auf: An­dres (René Böminghaus). Hier bringt vor allem Lelios verkehrte Kostümverteilung alle Pläne durcheinander. Sie führt schließlich sogar dazu, daß - wie könnte es fast schon anders sein - die falsche Person entführt wird, nämlich nicht wie geplant Celia, sondern Lelio selbst.

Die beiden letzten Akte bringen dann die Auflösung. Es stellt sich nämlich heraus, daß Celia Trufall­dins Tochter ist. Bei einer gemein­samen Festtafel darf Lelio sie daher heiraten, und Leander wird Hippo­lyte zur Frau nehmen, die ihn im­mer geliebt hat.

Ende gut, alles gut, möchte der Zuschauer, dessen Zwerchfell vor Lachen bereits kräftig strapaziert wurde, nun gerne sagen, als die Ak­teure auf der Bühne alle nach ih­rem Glas greifen, um auf das glück­liche Ende anzustoßen. Aber natür­lich: Lelio stößt sein Glas um. "Du Tolpatsch!" ruft da abschließend sein Freund Mascarill.

Die nächsten Vorstellungen: am 2. Mai, kath. Kirchengemeinde St. Bonifatius in Huttrop, am 9. Mai, Casa Nova, Schul- und Amateurt­heatertreffen, jeweils 19 Uhr.

Borbecker Nachrichten vom 12.03.1998

 

 

Komisch und temperamentvoll

Theater Laien bringen Molieres ,Tolpatsch' auf die Bühne

Wenn es um die Liebe geht, verstehen Frauke und Clau­dia (beide 19 Jahre alt) keinen Spaß: Wie zwei gereizte Katzen fauchen sich die Mädchen an, mit funkeln­den Augen und ausgefahrenen Krallen. Immerhin kann ja nur ei­nes von ihnen den (scheinbar von beiden) geliebten Mann gewinnen, und genau das soll sich gerade ent­scheiden. Aber kurz bevor die Ei­fersuchtsszene in Mord und Tot­schlag ausartet, fährt Oliver dazwi­schen: "Noch einmal bitte, aber mit etwas mehr Temperament!" Zufrie­den betrachtet der junge Regisseur seine Gruppe: Die 14 Borbecker "Theater Laien" sind während der Probe mit Feuereifer bei der Sache.

Ein paar Minuten später sitzen die beiden Freundinnen einträchtig vor der Bühne in der Aula der Geschwister-Scholl-Realschule, kommentieren sachkundig die Darstellung ihrer männlichen Part­ner und soufflieren auch schon ein­mal, wenn einer der jugendlichen Helden in Schönheit erstarrt, weil der Text noch nicht richtig sitzt.

Ein buntes Verwirrspiel mit Lie­be, Intrigen, komischen Mißver­ständnissen und einer überra­schenden Auflösung, so präsentiert das jüngste Essener Laientheater (Alter zwischen sieben bis 25 Jah­ren) die von Oliver Schürmann ent­staubte und aufgepeppte Komödie "Der Tolpatsch" des französischen Lustspielklassikers Jean Baptiste Moliere (1622-1673).

Spaß macht schon das Zusehen bei der Probe, Spaß bereitet offen­sichtlich den engagierten Darstel­lern das abendliche Üben (zweimal pro Woche), und Spaß werden wohl auch die Zuschauer haben, wenn das Stück am 27. Februar zum er­sten Mal über die Bühne geht. Ein bißchen Erfahrung mit dem Theater haben sie schon, die jun­gen Leute, die ihren Feierabend so ganz anders gestalten als viele Al­tersgenossen. Ihr erstes gemeinsa­mes Stück "Cyrano de Bergerac", Versdrama von Edmond Rostand, wurde bei der Uraufführung im Mai 1997 gleich ein Erfolg: Das Pu­blikum in der Aula der Borbecker Realschule war bei den beiden Vor­stellungen hellauf begeistert. Scha­de nur, daß eine weitere Auffüh­rung in der Innenstadt wegen Raumproblemen abgesagt werden mußte.

Thomas Krieger und Oliver Schürmann, die "Senioren" der Theater Laien (beide Jahrgang 1972 und Abitur 1992), engagierten sich schon während ihrer Schulzeit am Gymnasium Borbeck an der Prin­zenstraße bei verschiedenen Thea­terinszenierungen. Seit der ge­meinsamen Aufführung von "Die pfiffige Magd" 1994 kooperieren der Bankkaufmann Thomas und der Altenpfleger Oliver in ihrer Frei­zeit wechselseitig als Autor, Inten­dant, Regisseur und Schauspieler.

Dabei erweist sich Thomas im­mer mehr als talentierter Komiker, während Oliver bei der Moderni­sierung der Komödie von Moliere und als sorgfältig planender und auch schon einmal energisch auf­tretender Leiter der Proben und Aufführungen bei seinen Kollegen und Kolleginnen Respekt genießt.

Die eindrucksvollste schauspie­lerische Leistung im Lustspiel von Schürmann/Moliere liefert wohl Marc Weitkowitz (geb. 1974, Abitur am Alfred-Krupp-Gymnasium, Student der Geographie), in seiner Rolle als Tolpatsch. Mit seiner aus­drucksvollen Gestik und Mimik, besonders jedoch mit seiner deutli­chen Aussprache - selbst sein Flü­stern ist noch in der letzten Reihe zu verstehen - bietet der in seinem Übereifer unglückselige und den­noch liebenswerte "tumbe Tor" eine Leistung, die neben schaden­frohem Lachen auch spontane Sympathie bei den Zuschauern er­weckt.

Glücklich gewählt wurden auch die beiden weiblichen Hauptrol­len: Die temperamentvolle Frauke Krüger als Hyppolyte und die cool wirkende Claudia Rupp als Celia, beide Schülerinnen der Jahrgangs­stufe 12 am Gymnasium Borbeck, besiegen als scheinbar verfeindete, in Wirklichkeit verbündete "Riva­linnen" die kurzsichtigen "Herren der Schöpfung".

Hervorzuheben wären noch die beiden Jüngsten: Martin Kiewit (zwölf Jahre, Schüler am Gymbo) und das Nesthäkchen Thomas Chrosch (sieben Jahre) zeigen in ih­ren Nebenrollen Spielfreude und amüsieren die Zuschauer durch ihre Natürlichkeit.

Aufführungen sind am 27. Fe­bruar und am 6. März, jeweils 19.30 Uhr, in der Geschwister-Scholl­Realschule. Karten (8 DM, ermäßigt 5 DM) gibt es im Gymnasium Borbeck und im Blumenhaus Schürmann, Marktstraße 12.

Borbecker Nachrichten vom 26.02.1998

 

 

Theater Laien mit Moliere

Premiere Ende Februar in Geschwister Scholl

Die Jugend-Schauspielgruppe "Theater Laien" aus Borbeck, die sich im vergangenen Jahr erfolg­reich mit dem Klassiker "Cyrano de Bergerac" vorstellte, wandelt weiter auf den Spuren französi­scher Meister.

Nun bringen die Mimen Molie­res "Tolpatsch" auf die Bühne. Die gründlich entstaubte und in die Neuzeit versetzte Komödie handelt von einem verliebten jungen Mann, der sich äußerst ungeschickt anstellt. Selbst die li­stig erdachten Pläne zu Erobe­rung der Angebeteten, die sein Freund für ihn schmiedet, macht er ungewollt zunichte. Kompli­ziert wird es, als sich ein Neben­buhler einstellt... Es gibt Intri­gen, vielerlei Verwechslungen und allerlei Durcheinander.

Die Premiere des pointenrei­chen Stücks ist am Freitag, 27. Fe­bruar, um 19.30 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Real­schule. Eine weitere Vorstellung gibt es dort am 6. März. Karten ko­sten 8 DM (ermäßigt 5 DM) und sind im Vorverkauf im "Haus der Blumen" Schürmann, Marktstra­ße 12, erhältlich.

Borbecker Nachrichten