Der Inhalt

Alice und Paul, seit einigen Jahren verheiratet, erwarten ihre besten Freunde, Laurence und Michel, ein Ehepaar gleichen Alters, zum Abendessen. Doch eine halbe Stunde bevor ihre Gäste erscheinen, möchte Alice das Essen absagen. Paul ist irritiert und fragt Alice nach dem Grund. Doch Alice druckst nur herum und schiebt eine Projektpräsentation, die sie am nächsten Morgen vor dem Vorstand halten muss, vor. Paul wundert sich, ob dies der wahre Grund für die Absage ist, und als er weiter bohrt, erfährt er von Alice, dass sie Michel gesehen hat, wie er am Nachmittag beim Verlassen eines Geschäfts eine fremde Frau geküsst hat.

Während Alice es für ihre moralische Pflicht hält, ihrer Freundin Laurence zu erzählen, was sie gesehen hat, ist Paul anderer Meinung. Aus seiner Sicht ist die Lüge ein Beweis von Freundschaft. Er möchte nicht der Grund für einen Ehestreit der beiden Freunde sein. Während die beiden noch darüber diskutieren, ob sie das Abendessen tatsächlich absagen sollen oder wie man sich gegenüber den Gästen richtig verhalten soll, klingelt es.

Die Gäste sind da, und Alice verstrickt sich im Laufe des Abends in allerlei Anspielungen und Provokationen. Sie erklärt das Thema „Lügen“ quasi zum philosophischen Gesprächsthema. Paul hingegen will immer wieder ablenken und auf jeden Fall vermeiden, dass Alice und Laurence unter vier Augen miteinander sprechen können. Als sich schließlich Michel und auch Laurence auf Pauls Seite schlagen, verlässt Alice abrupt das Zimmer, um nach dem Braten zu sehen, und hinterlässt ratlose Gäste, die für das merkwürdige Verhalten ihrer Gastgeber keine Erklärung haben.

Nachdem Paul Laurence und Michel verabschiedet hat, kommt es noch einmal zum Gespräch zwischen ihm und seiner Frau Alice. Diese fand das gemeinsame Essen eines der traurigsten Dinge, die sie in ihrem Leben mitgemacht hat, und glaubt, alles wäre viel einfacher, wenn sich alle Welt die Wahrheit sagen würde. Paul hingegen glaubt, dass es dann auf der ganzen Welt kein einziges Paar mehr gäbe. Diese Aussage lässt Alice nun an ihrer eigenen Beziehung zu Paul zweifeln und so möchte sie von ihrem Mann wissen, ob dieser sie schon einmal betrogen habe.

Und so folgt ein verzwicktes Puzzle um die existenziellste aller Fragen: Wie viel Wahrheit steckt in der Lüge und wie viel Lüge in der Wahrheit? Ist es wahr, dass die Lüge ein Beweis von Freundschaft ist, ja sogar von Liebe?

Thomas Krieger