Der Inhalt

Erster Akt

Am Ende eines Mordprozesses, in dem ein Achtzehnjähriger des Mordes an seinem Vater beschuldigt wird, ziehen sich nach sechs Verhandlungstagen die zwölf Geschworenen in das Geschworenenzimmer zurück, um über das Urteil zu beraten, das einstimmig gefällt werden muss. Dem Angeklagten droht im Falle des Schuldspruchs die Hinrichtung durch den elektrischen Stuhl. Der Schuldspruch scheint eine klare Angelegenheit zu sein, die keine lange Beratung erfordert, doch in der ersten offenen Abstimmung stimmt der Geschworene Nr. 8 als einziger für nicht schuldig, während die elf anderen den jungen Mann für schuldig erklären.

Der Geschworene Nr. 8 kann nicht sagen, ob der Angeklagte unschuldig ist – er kann aber auch keine eindeutige Schuld beim mutmaßlichen Mörder erkennen. Einige Geschworene sind aus jeweils unterschiedlichen Motiven an einer raschen Beendigung der Beratung interessiert und drängen deshalb auf einen schnellen Schuldspruch, nicht zuletzt aus dem Grund, dass der Tag laut Wettervorhersage der heißeste des ganzen Jahres sein soll und die schwüle Atmosphäre für zusätzliche Spannung sorgt.

Der Angeklagte ist sein Leben lang herumgestoßen und vom Vater regelmäßig verprügelt worden. Daher möchte der Geschworene Nr. 8, dem das Gerichtsverfahren zu schnell ging und alle Beweise zu genau zusammenpassten, mehr über den Fall wissen. Man einigt sich darauf, dass jeder der Geschworenen zwei bis drei Minuten darauf verwendet, zu erläutern, warum er den Angeklagten für schuldig hält.

Einer der Beweise ist die Tatwaffe, ein Messer, das der Angeklagte am Tag des Mordes gekauft hat und welches dieser angeblich vor der Tat verloren hat. Da das Messer einen außergewöhnlichen Griff hat und auch der Trödler, von dem der Junge das Messer gekauft hat, ausgesagt hat, er habe ein solches Messer noch nie gesehen, halten viele Geschworene die Annahme, der Junge habe das Messer verlorenen und ein Anderer habe dessen Vater mit einem ähnlichen Messer erstochen, für nicht möglich. Doch als der Geschworene Nr. 8 plötzlich ein gleiches Messer vorlegt, welches er am Abend vorher in einer Pfandleihe in der Nähe des Tatortes gekauft hat, erntet er allgemeines Erstaunen. Der Geschworene Nr. 8 schlägt eine erneute Abstimmung vor: Diese soll geheim stattfinden, er selbst wolle sich enthalten. Wenn es bei elf Stimmen für schuldig bleibt, wolle er sich der Mehrheit anschließen, andernfalls solle weiter diskutiert werden.

Zweiter Akt

Ein weiterer Geschworener hat sich in der geheimen Abstimmung für nicht schuldig entschieden. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass die Geschworene Nr. 9 den Mut von Nr. 8, sich alleine gegen die anderen zu stellen, bewundert und ihn deshalb unterstützen will.

Gegen den Protest der anderen rekonstruiert im weiteren Verlauf der Beratung der Geschworene Nr. 8 den angeblichen Tathergang und deckt Ungereimtheiten in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft sowie wenig engagiertes Verhalten des Pflichtverteidigers des Angeklagten auf.

So stellt er die Aussagen der beiden Hauptbelastungszeugen gegenüber und weist auf Widersprüche hin. Während die Augenzeugin den Mord durch die letzten beiden leeren Wagen eines Hochbahnzuges aus gesehen haben will, sagte der unter dem Mordzimmer wohnende ältere Herr aus, er habe zunächst gehört, wie der Junge schrie: „Ich bring dich um“, und im anschließenden Moment sei der Mord geschehen. Doch kann er der Jungen überhaupt gehört haben, wenn gleichzeitig die Hochbahn am Fenster vorbeifuhr?

Desweiteren sagte der alte Mann aus, er habe den Jungen durch das Treppenhaus flüchten sehen, nachdem er aus dem Bett aufgestanden und zur Wohnungstür gelaufen sei. Doch die 15 Sekunden, die er dafür benötigt haben will, erscheinen angesichts seiner Gebrechen sehr unwahrscheinlich.

So gelingt es dem Geschworenen Nr. 8 nach und nach, die Argumente und die Vorurteile der Mitgeschworenen zu entkräften und sie wegen begründeter Zweifel vom Schuldspruch abzubringen, was insbesondere den Geschworenen Nr. 3 zur Weißglut bringt. Von den anderen Geschworenen kann dieser gerade noch davon abgehalten werden, auf den Geschworenen Nr. 8 loszugehen.

Dritter Akt

In einer erneuten Abstimmung steht es inzwischen 6:6. Der einsetzende Regen scheint etwas Abkühlung zu bringen, doch die Nerven einiger Geschworener liegen weiterhin blank.

Auch die anderen Geschworenen decken nun immer mehr Ungereimtheiten auf. So passt beispielsweise der Einstichkanal der tödlichen Wunde nicht zu der Art, wie ein geübter Messerstecher wie der Junge sie seinem Vater zugefügt hätte. Als schließlich auch die belastende Zeugenaussage der Frau, die den Mord beobachtet haben will, sowie weitere Indizien in Frage gestellt werden müssen, steht das Votum schließlich elf zu eins für nicht schuldig.

Schließlich ist der aufbrausende Geschworene Nr. 3 der Letzte, der den Schuldspruch des Angeklagten aufrecht erhält. Es wird offenbar, dass er befangen ist, da er sich vor Jahren mit seinem eigenen Sohn zerstritten und daraufhin von ihm getrennt hat, und nun seinen Hass auf den Angeklagten projiziert. Letztlich bricht er unter dem Druck der elf anderen Geschworenen zusammen und schließt sich dem Freispruch des Angeklagten an. Die Beratung ist zu Ende und die Geschworenen sind nun bereit, ihr Urteil dem Richter mitzuteilen.

Thomas Krieger