Eine fast schon ernst gemeinte Komödie

Komödien – oft auch Lustspiele oder ähnlich genannt – haben wir schon oft gespielt: Der nackte Wahnsinn, Und ewig rauschen die Gelder, Verlieb, verlobt … verrechnet und, und, und. Sie sind so beliebt, weil man einfach munter drauf loslachen und die Sorgen des Alltags hinter sich lassen kann. Der Ernst des Lebens tritt hier bei Seite. Und genau das macht den Untertitel unseres aktuellen Stücks Feenzauber so interessant: Eine fast schon ernst gemeinte Komödie. Ist das nicht ein Widerspruch? Ist eine Komödie, die ernst gemeint ist, überhaupt noch eine Komödie? Werfen wir doch einmal gemeinsam einen Blick auf das Stück und schauen uns an, was hier so ernst gemeint sein kann.

Zunächst müssen wir natürlich konstatieren, dass es sich laut Untertitel lediglich um eine fast ernst gemeinte Komödie handelt. Aber das kleine Wort fast macht uns als Leser bzw. Zuschauer nur noch neugieriger darauf, was denn nun ernst oder auch nur beinahe ernst gemeint sein könnte – und wieso. So büßt es seine Relativierungsfunktion schnell ein.

Die Hauptfigur unserer Komödie heißt Anita van Hagen und ist eine Familienmutter. Von Beruf ist sie wie ihr Mann Andreas Physiotherapeut(in). Beide führen gemeinsam eine eigene Praxis, aber seit ihr drittes Kind auf der Welt ist, nimmt sich Anita eine Auszeit. Schnell jedoch will sie zurück an die Arbeit, auch wenn sie zu Hause alle Hände voll zu tun hat. Hilft doch ihr Mann, der übrigens alles daran setzt, dass Anita Hausfrau bleibt, kein Stück im Haushalt mit. Zusätzlich plagen Anita noch ihre eingebildete Schwiegermutter Wilhelmine sowie ihre angeblich beste Freundin Silke, die der festen Überzeugung ist, alles besser zu wissen und Anita ihre ach so klugen Ratschläge bei jeder sich bietenden Gelegenheit um die Ohren hauen zu müssen. Eine wahrhaft alles andere als zufriedenstellende Situation für Anita.

An genau dieser Stelle können wir versuchen aufzuschlüsseln, was es mit der ernst gemeinten Komödie auf sich hat. Viele der Charaktere – vergleiche allein Wilhelmine und Silke – sind sehr stark überzeichnet und agieren äußerst klischeehaft. Ein solches Verhalten wirkt auf der Bühne ohne Zweifel komisch, weshalb der Titel Komödie gerechtfertigt ist. Hinter allem verbirgt sich aber mit einiger Wahrscheinlichkeit auch Kritik. Eine Kritik, geäußert von einer Familienmutter, die vielleicht ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie Anita im Stück Feenzauber. Und so trifft es sich, dass die Autorin dieser Komödie, Tina Segler, selbst mehrfache Mutter ist. Natürlich können wir hier nur mutmaßen, welche Erfahrungen sie in ihrer Familie gemacht hat; aber der Untertitel deutet doch stark darauf hin, dass sie mithilfe der Komödie einige Dinge auf überzogen-lustige Weise zu verarbeiten sucht. Ob die Figuren Wilhelmine, Silke, Andreas etc. dabei Ähnlichkeiten zu Seglers eigener Familie, zu ihren eigenen Freunden aufweisen – darüber lässt sich nur spekulieren.

Sicher ist aber, dass der Untertitel keinen Abbruch tut, sich köstlich zu amüsieren und den Alltag für die Zeit des Stücks hinter sich zu lassen. Denn gerade die Tatsache, dass reale Probleme in Komödien aufgegriffen werden, macht letztere so besonders; verlieren doch erstere ein wenig ihren Schrecken, wenn sie auf karikaturistische Art verfremdet werden. Vielleicht erkennt sich ja heute Abend auch die ein oder andere Hausfrau und Mutter in Anita van Hagen wieder ...

Tim Meier