Gilbert und Sullivan

Aus der Feder des Schriftstellers William Schwenck Gilberts und des Komponisten Sir Arthur Seymour Sullivan stammen zahlreiche musikalische Werke, die zu Lebzeiten der beiden als "Gilbert and Sullivan Comedy Operas" regelmäßig herauskamen und im Savoy Theatre uraufgeführt wurden. Unter anderem bekannt auch in deutschsprachigen Ländern wurden neben dem "Mikado" aus dem Jahre 1885 "The Pirates of Penzance" (1880), "Patience" (1881), "The Gondoliers" (1889), "The Chieftain" (1894) und "The Grand Duke" (1896).

Gilbert wurde im Jahre 1836 in London als Sohn eines pensionierten Flottenchirurgen geboren. Im Alter von zwei Jahren wurde er in Italien von der Brigade entführt und nur zufällig freigelassen. Ansonsten hatte er eine normale Kindheit. Nach der Schulzeit ließ er sich beim Militär ausbilden und hatte das Ziel, als Offizier in den Krieg ziehen. Glücklicherweise machte er seinen Abschluss erst, nachdem der Krieg beendet war. 20 Jahre lang blieb er dennoch Mitglied beim Militär.

Im Anschluss an seine "Militärkarriere" arbeitete er in einem Regierungsbüro, einen Job, den er verabscheute. Nachdem er eine Tante beerbt hatte, erfüllte er sich einen Wunsch und wurde Rechtsanwalt. Während seiner kurzen Zeit als Rechtsanwalt heiratete er die Tochter eines Armeeoffiziers.

Gilbert hatte schon in frühen Jahren gezeigt, dass er ein Talent für Esprit und Sarkasmus besaß. Ab 1861 trug Gilbert mit drastischer Kritik und nicht unterzeichneten humorvollen Versen zur Popularität des britischen Magazins "Fun" bei. Einige seine Verse waren mit Karikaturen und Zeichnungen angereichert, die er mit "Bab" unterschrieb. Einige der Figuren der Gilbert und Sullivan Opern wurden nach den Figuren dieser Zeichnungen angefertigt.

Von 1868 bis 1875 hatte Gilbert eine sehr fruchtbare Zeit, hauptsächlich, weil er zwei Stücke 1871 schrieb, die für ihn einen großen finanziellen Erfolg darstellten. In diesem Jahr arbeitete er auch erst mal mit Sullivan zusammen, auch wenn ihre Produktion kein Erfolg war. Dennoch arbeiteten beide 25 Jahre zusammen und produzierten in dieser Zeit 14 komische Opern.

1907 wurde Gilbert von Edward VII geadelt. Er starb 1911 im Alter von 74 Jahren beim Versuch, eine Frau vor dem Ertrinken zu retten.

Sir Arthur Sullivan wurde 1842 in eine sehr musikalische Familie hineingeboren. Sein Vater war Kapellmeister am "Royal Military College". Noch bevor Sullivan zehn Jahre alt war, hatte er bereits alle Blasinstrumente der Kapelle ausprobiert und beherrschte sie. Er komponierte schon mit 8 Jahren eine eigene Hymne. Im Alter von zwölf Jahren wurde er als Chorknabe in die Royal Chapel aufgenommen, besuchte dann die Königliche Musikakademie in London und ging zur weiteren Ausbildung für drei Jahre an das Leipziger Konservatorium, wo Franz List Sullivans letzte "Dissertation" hörte. Mit zwanzig kehrte er nach England zurück, wo er den "Tempest" schrieb und dadurch bekannt wurde.

In den nächsten zehn Jahre war Sullivan Professor für Musik, Lehrer und Organist. Von 1876 bis 1881 war er Direktor der National Trainig School for Music, 1876 verlieh man ihm in Cambridge, 1879 in Oxford den Doktortitel ehrenhalber. Als führender Komponist betrachtet, hatte er viele einflussreiche Freunde in jedem Kreis der Gesellschaft und war auch bei vielen Monarchen in Europa beliebt. In dieser Zeit komponierte Sullivan Werke wie "The Light of the World", "The Martyr of Antioch", "The Golden Legend" und "Ivanhoe".

Sullivans erster Versuch einer komischen Oper war 1867 zusammen mit dem Schriftsteller F. C. Brunand. Von Ihnen stammen die Werke "Coy and Box" und "The Contrabandista".

Von 1871 bis 1896 produzierte Sullivan mit Gilbert 14 komische Opern. Von 1872 bis zu seinem Tod im Jahre 1900 litt er an extremschmerzhaften Nierensteinen und manche behaupten, dass er die schönste Musik komponierte, wenn er den größten Schmerz hatte. 1883 wurde Sullivan von Königin Victoria geadelt.

Mit dem "Mikado" haben beide ein kleines Meisterwerk erschaffen, das sich ebenbürtig neben den Leistungen der klassischen deutschen und französischen Operette behauptet. Von dem außerordentlichen Erfolg des Mikado kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man hört, dass das Werk schon nahezu 9000 Mal in aller Welt gespielt worden war, als es, nur zwei Jahre nach der Londoner Uraufführung, 1888 in Wien erstmals erschien. Siebzehn reisende Operettengesellschaften waren in jenen Jahren mit dem "Mikado" unterwegs.

Der Reiz des sehr fein gearbeiteten Stückes liegt ebenso in der leicht exotisierenden Zeichnung des launig gesehenen japanischen Milieus, in der oft bezaubernden Grazie der Musik und in ihrem Humor, dessen schalkhafte, englisch-trockene Eigenart sich in den verschiedenen Songs und Dialogen offenbart.

Thomas Krieger