Wer ist eigentlich Mephisto?

"Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element."

So stellt sich Mephistopheles selbst vor. Doch wer ist Mephisto, wo kommt er her und welche Ziele verfolgt er?

Woher der etymologische Ursprung des Namen Mephistopheles stammt, ist nicht genau geklärt. Der Name könnte aus hebräischen, lateinischen oder griechischen Worten zusammengefügt sein. So gibt es z. B. im Hebräischen die Bezeichnung mephir "Zerstörer" und tophel "Lügner". Beides sind negative Eigenschaften, die für eine Bezeichnung des Teufels also naheliegen. Ferner könnte aber auch die ältere Bezeichnung Mephistophiles auf das Griechische und Lateinische zurückgehen: mephitis (lat.) "Ausdünstung" und phílos "Liebe" (gr.), was übersetzt etwa "der den Gestank Liebende" heißt. Ebenfalls Eigenschaften, die einem Teufel zuzuschreiben wären.

In der Literatur geht die Bezeichnung Mephistopheles auf den Fauststoff zurück: die Geschichte des Doktor Johannes Faustus und seines Pakts mit Mephistopheles, welche aus dem 16. Jahrhundert stammt. Dieser Stoff wurde vielfältig in der europäischen Literatur verwendet.

Eines der bekanntesten Werke ist wohl Johann Wolfgang von Goethes Tragödie Faust. Die Arbeit an Faust zog sich über sechs Jahrzehnte hin. Zwischen 1772 und 1775 entstand der Urfaust und wurde ca. zwischen 1825 und 1831 mit dem zweiten Teil der Tragödie Faust geschlossen. Hier spielt Mephisto zwar ebenfalls die Rolle eines Teufels, jedoch wurde diese literarisch aufgewertet.

In der Tragödie Faust schließt Mephisto eine Wette mit Gott. Er möchte Doktor Heinrich Faust, den "getreuen Knecht" Gottes, von seinem rechten Wege abbringen.

Faust grübelt derweil tief deprimiert über sein Leben nach und kommt zu dem Ergebnis, dass er als Mensch unfähig sei, sein Leben zu genießen und es ihm als Wissenschaftler an Erkenntnis und Ergebnissen mangele. Daraufhin erscheint ihm Mephisto und schließt mit ihm einen Pakt. Er verspricht Faust übermenschliche Kräfte, wenn er ihm im Gegensatz dazu seine Seele im Jenseits gibt. Mephisto verwandelt ihn in einen jungen Mann und nimmt ihn mit durch eine Reise des alltäglichen Lebens.

Er führt Faust in eine Hexenküche und flößt ihm den Zauber der Liebessehnsucht ein. In dem Bürgermädchen Gretchen findet Faust dann Befriedigung seiner Sinnesglut. Als diese ein uneheliches Kind gebiert, tötet sie es aus Verzweiflung und wird verhaftet. Faust versucht sie mit Hilfe Mephistos vor der Hinrichtung zu retten. Da sie aber Fausts Hilfe ablehnt, weil sie ihren Tod als Strafe akzeptiert, muss er sie schließlich ihrem Schicksal und der Gnade Gottes überlassen. Somit gewinnt Gott die Wette gegen Mephisto.

Die Darstellung von Goethes Mephisto unterscheidet sich stark von den mittelalterlichen und volkstümlichen Teufelsdarstellungen. In Faust verkörpert Mephisto das Prinzip der Negation. Ferner ist er Teil der Welt und somit Teil der göttlichen Schöpfung. Sein Ziel ist es, die göttliche Schöpfung "stets zu verneinen" und zu zerstören, was ihm jedoch nicht gelingt, da er als Teil der Schöpfung im Grunde genommen selbst von Gott gelenkt wird.

Die Wesenszüge Mephistos sind sehr widersprüchlich: einerseits verkörpert er das Böse, andererseits wird er durch seine Klugheit, seine Ironie und seinen Sarkasmus sympathisch und unterhaltsam.

Bemerkenswert ist auch, dass er durch seine Anklagen gegen Gott und die Schöpfung den Menschen Mitleid entgegenbringt, indem er auf ihr erbärmliches Schicksal auf der Erde verweist.

Auch in Mephistos Rache schließt Mephisto eine Wette mit Gott um Fausts Seele. Da er aber befürchtet, sein Happy-End nicht zu bekommen, beschließt er, dass dies auch nicht anderen zuteil werden darf. Daraufhin manipuliert er sämtliche Theaterstücke, doch wird er so sein Happy-End bekommen?

Kathrin Pohl