Michael Frayn

Michael Frayn wurde am 8. September 1933 in London geboren und wuchs in Ewell in der Grafschaft Surrey auf. Seine Mutter, einst eine vielversprechende junge Geigerin, starb, als Michael 12 Jahre alt war. Sein Vater war Vertreter einer Firma, die Astbest und Dachbaustoffe vertrieb. Schon im Teenager-Alter entstand bei Michael der Wunsch, Schriftsteller zu werden.

Während des Wehrdienstes erlernte Frayn die russische Sprache und arbeitete als Dolmetscher. Anschließend studierte er in Cambridge russische und französische Literatur und war am Institut für Philosophie tätig. Hierbei wurde er vor allem durch Ludwig Wittgenstein beeinflusst. Der Philosophie-Professor prägte Michaels Gedankenwelt und sein späteres Schreiben.

Von 1957 bis 1968 war er Journalist, zunächst für den "Manchester Guardian", dann für den "Observer". Während dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Sammlungen von Essays aus seinen Kolumnen und schrieb auch einige Romane wie The Tin Men (1965, dt. Blechkumpel), The Russian Interpreter (1966, dt. Zwei Briten in Moskau) und A very Private Life (1968).

In den 70er Jahre begann er damit, für Theater und Fernsehen Stücke zu schreiben und übersetzte Tschechow, Tolstoi und Anouilh in die englische Sprache. Zu seinen Drehbüchern für die BBC gehörte unter anderem Jamie on a flying Visit und Birthday. Beide schrieb er 1969. Im Jahr 1976 knüpfte er mit der Fernseh-Serie "Making Faces" an seine Drehbuch-Karriere an.

Seinen internationalen Durchbruch erzielte Frayn mit der Farce Noises off (1982, dt. Der nackte Wahnsinn), die 1992 mit Michael Caine und Christopher Reeve unter der Regie von Peter Bogdanovich verfilmt wurde.

Dabei leugnet der Autor seine Faszination an der ewigen Schlacht zwischen Ordnung und Unordnung nicht. Immer wieder beziehen sich seine Stücke auf Wittgensteins Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen Realität und Wahrnehmung, auf den Unterschied zwischen Gesagtem und Gemeintem und die Endlichkeit der Sprache, wenn es um die Darstellung der Wirklichkeit geht.

1986 kam Clockwise (dt. In letzter Sekunde) in die britischen Kinos, der erste Kinofilm, zu dem Frayn das Drehbuch geschrieben hat.

1998 erschien Kopenhagen, ein Stück über ein Gespräch zwischen den beiden Atomphysikern Niels Bohr und Werner Heisenberg. Kopenhagen wurde ein großer internationaler Erfolg, erhielt unter anderem den Tony Award und den Prix Molière und löste über die Theaterkreise hinaus eine historische Debatte über Heisenbergs Rolle im Nuklearprogramm des Dritten Reichs, dem so genannten Uranprojekt, aus.

2003 folgte mit Demokratie ein Stück über Willy Brandt und die Guillaume-Affäre, für das Frayn nach Kopenhagen erneut mit dem Evening Standard-Preis und dem Critics Circle Award ausgezeichnet wurde. Die deutsche Uraufführung fand am 6. Mai 2004 im Berliner Renaissance-Theater unter der Regie von Felix Prader mit Peter Striebeck als Willy Brandt statt.

Sein jüngstes Werk Afterline hatte 2008 im Londoner Nationaltheater Premiere. Das Stück über den Theaterregisseur und Schauspieler Max Reinhardt hatte am 18. März 2010 unter dem Titel Reinhardt im Alten Schauspielhaus Stuttgart seine deutsche Erstaufführung.

Michael Frayn ist in zweiter Ehe mit der englischen Literaturkritikerin Claire Tomalin verheiratet.

Thomas Krieger