Molière

Vor 325 Jahren stirbt, geboren als Sohn eines Tapezierers und königlichen Kammer­dieners, einer der größten Lustspieldichter der Weltliteratur - Jean Baptiste Molière (1622-1673).

Im Jahre 1622 wird Jean Baptiste Poquelin, der sich erst später Molière nennt, zu Paris geboren. Der 15. Januar 1622 ist als Geburtstag überliefert, jedoch nur als Tauf­tag urkundlich beglaubigt - in früherer Zeit wurden die Neugeborenen sogleich getauft. Die Poquelins waren eine schlichte Bürger­familie, deren häuslicher Sinn und Familien­geist sich u.a. durch auffallenden Kinder­reichtum bekundete. Die Familie, die allein durch Gewerbefleiß zum Wohlstand kam, vererbte den bürgerlich-demokratischen Sinn auf Molière. Die äußere Situation, der Beruf des Vaters als Tapezierer sowie die Nebenstellung als königlicher Angestellter, war eine günstige, denn das Geschäft war gewinnbringend und das Kammerdienertum keineswegs geringgeschätzt. Der Charakter des Vaters wird dem eines Spießbürgers damaliger Zeit zugeschrieben, den materiel­le Motive und kleinbürgerlicher Stolz erfüll­ten. Seinen ältesten Sohn, eben Molière, gab er auf, als dieser das Komödiantentum, die Schauspielerei ergriff. Erst als die Gunst der königlichen Gnade und der Glanz des hauptstädtischen Beifalls dem Sohne zu Teil wurde, nahm der alte Poquelin ihn als einen der seinen wieder auf.

Molière war gerade zehn Jahre alt, als 1632 seine leibliche Mutter stirbt. Viel ist aus die­ser Zeit nicht bekannt, und so auch nicht, welchen Einfluss sie auf ihren Zögling bis zu ihrem Tode ausübte, lediglich, dass der Vater den Söhnen nicht einmal den ganzen müt­terlichen Erbteil auszahlte.

Biographisch belegt ist, dass Molière bis zu seinem 14. Lebensjahr im Geschäft des Vaters tätig war und dieser ihn nur wenig lesen und schreiben erlernen ließ, weil für einen Gewerbetreibenden nicht mehr nötig sei. Unklar bleibt, welche Gründe den Vater bewegten, seinen ursprünglichen Vorsatz aufzugeben und den 14jährigen Knaben dem "Collège de Clermont" und damit den wissenschaftlichen Studien zuzuführen.

In wie weit der Einfluss der Stiefmutter, geb. Fleurette, reichte, lässt sich ebenso nicht genau erörtern; allerdings gibt es auch keinen Grund zu der Annahme, dass Molière diese Stiefmutter meint, die er als habgierig und gefühllos in seinen Dichtungen vor­stellt.

Ob der junge Molière von seinem theater­liebenden Großvater mit Vorliebe für das Schauspiel erhellt worden ist, bleibt reine Spekulation ...

Mit 18 Jahren erscheint seine erste Komödie "Elomire Hypocondre" und er siedelt von Paris nach Orléans, um die Rechte zu studie­ren.

Das Collège suchte die dichterischen Talen­te seiner Zöglinge zu fördern, und so führte ihn der Unterricht mit dem Prinzen Conti, seinem späteren Gönner, sowie mit den Dichtern Chapelle und Cyrano de Bergerac zusammen. Von besonderem Einfluss mag wohl Gassendi, der philosophische Lehrer Molières, gewesen sein.

Der weitreichende Entschluss, Schauspieler zu werden, fällt im Jahre 1643, und im November des Jahres gastiert er als Mitglied des "Illustre Théàtre". Er gewinnt die Ein­sicht, dass er zu einem bürgerlichen Berufe nicht tauge; aber auch die Liebe zur Komödiantin Madeleine Béjart habe zu seinem Entschluss beigetragen. Im besonderen die Abneigung gegen die engen Schranken eines bürgerlichen Berufes scheint den phantasievollen, hochstrebenden Jüngling dem Schauspielertum zugeführt zu haben. Dieses gilt für Molière aber nur als Übergang hin zum Dichtertum. Das Repertoire der Truppe war bunt zusammengewürfelt, die Szenerie primitiv und so wurde der talent­volle, durch das Erbe gut ausgestattete Molière mit Freuden aufgenommen. Doch die niedere Stellung des damaligen Schauspielertums und der Umstand, dass sich sein Dichttalent allmählich und spät ent­wickelte, lange zwischen Originalität und Nachahmung schwankte, ließen ihn nicht in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einem großen, berühmten Dichter emporschwin­gen.

Das "Illustre Théàtre", eine Wandertruppe, strebte bis 1658 vergebens danach, in der Hauptstadt festen Fuß zu fassen. Die soziale und künstlerische Bedeutung sowie die materielle Lage solcher Wandertruppen war mehr als zweifelhaft. Bald musste man sich der Pariser Konkurrenz geschlagen geben und von Gläubigern verfolgt in Provinzstäd­ten für Unterhalt sorgen.

Madeleine Béjart stieg zur Geschäftsführerin auf, Molière zu ihrem künstlerischen Leiter. Eben dieser, der sich in edelmütiger Unei­gennützigkeit für die Truppe verbürgt hatte, musste 1645 ins Schuldgefängnis, aus dem ihn ein edeldenkender Freund errettete. 1653 nahm sich Conti seines ehemaligen Schulkameraden an und ließ die Truppe in seinem Schloss spielen. Seit dieser Zeit war der materielle Erfolg durch die Fürsprache Contis und das häufige Auftreten durch­schlagender. Mit "Die lächerlichen Preziösen" trifft er den Nerv der Adelsgesellschaft, über deren Umgangsformen sich das Volk amüsiert. Ludwig XIV. weist Molière das alte Palais Royal, dessen Theatersaal Kardinal Richelieu hat bauen lassen, zu.

Mit 40 Jahren heiratet Molière eine unehe­liche Tochter Madeleines, die als jüngere Schwester ausgegeben wird.

Molière ist ernstlich Lungenkrank. Im Jahre 1672 stirbt Madeleine, Molière schreibt sein letztes Stück, "Der eingebildete Kran­ke" und bricht nach der vierten Aufführung 1673 mit einem Blutsturz zusammen.

Seine Gabe, auch im Schinerz den Funken Humor zu entdecken, auch im Lachen den tragischen Unterton hörbar zu machen, stempelt ihn zu einem der größten Lust-spieldichter der Weltliteratur.

Marc Weitkowitz