T. S. Eliot

Thomas Stearns Eliot wurde am 26. September 1888 in St. Louis in den Vereinigten Staaten von Amerika als Sohn einer angesehenen Bostoner Familie geboren.

Eliot studierte Philosophie und Literatur in Harvard. Nach einem Studienjahr an der Sorbonne in Paris, wo er Mathematik, Philosophie sowie europäische und asiatische Sprachen studierte, kehrte er 1911 als Doktorand an die Harvard-Universität zurück. 1914 reiste er erneut nach Europa und nahm an der Universität Marburg an einem Ferienkurs teil. Als der Erste Weltkrieg begann, zog er zunächst nach London und schließlich nach Oxford. Dort arbeitete er erst als Lehrer, dann von 1917 bis 1925 in der Auslandsabteilung der Lloyds Bank bis zu seinem Eintritt in das Verlagshaus Faber und Faber, bei dem er über Jahrzehnte in der Verlagsleitung tätig war.

Erste Erfolge als Literat feierte Eliot 1915 mit The Love Song of J. Alfred Prufrock (dt.: J. Alfred Prufrocks Liebeslied), das in der von Ezra Pound herausgegebenen Catholic Anthology erschien.

1915 heiratete er Vivienne Haigh-Wood, mit der er zwar bis zu deren Tod 1947 verheiratet blieb, von der er sich aber bereits 1932 offiziell trennte. Welche Rolle die Ehe zu Vivienne für Eliot hatte, bleibt umstritten. Einige Quellen glauben, dass die Ehe vor allem deshalb eingegangen wurde, damit Eliot in England bleiben konnte, andere sehen in Vivienne eine Muse, ohne die der Autor die meisten seiner Werke nie hätte schreiben können.

In den 1920er Jahren verbrachte Eliot viel Zeit in Paris, wo er erstmals James Joyce begegnete, mit dem ihn später eine Freundschaft verband. 1927 wurde er britischer Staatsbürger und trat der Church of England bei. Sein Auftreten in dieser Zeit war betont britisch, was so weit ging, dass er sich einen englischen Akzent zulegte. Viele Aspekte der amerikanischen Tradition lehnte er ab. Dennoch reiste er zurück in die Vereinigten Staaten, um 1932 und 1933 eine Gastprofessur für Poetik in Harvard zu übernehmen.

1922 gründete er die literarische Zeitschrift The Criterion, deren Herausgeber er bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1939 blieb. Ebenfalls 1922 erschien sein erstes Hauptwerk, das Versepos The Waste Land (dt.: Das wüste Land). Dafür wurde er mit dem Dial-Preis für besondere Verdienste um die amerikanische Literatur ausgezeichnet, wodurch er auf einen Schlag berühmt wurde.

Es folgten 1925 The Hollow Men (dt.: Die hohlen Männer) und 1930 Ash Wednesday (dt.: Aschermittwoch). Im Laufe der nächsten beiden Jahrzehnte kamen verschiedene Essays heraus. 1943 erschien Four Quartets (dt.: Vier Quartette), dassein Spätwerk darstellt und dazu beitrug, dass ihm 1948 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde.

Insgesamt veröffentlichte Eliot sieben Dramen, von denen Murder in the Cathedral (1935, dt.: Mord im Dom) das heute international bekannteste Werk ist. Als The Cocktail Party (dt.: Die Cocktail-Party) 1950 auf dem Broadway aufgeführt wurde, erhielt Eliot als Autor des Stückes den Tony Award für das Beste Theaterstück.

1952 wurde T. S. Eliot Präsident der Londoner Bibliothek. 1943 wurde er in die American Academy of Arts and Letters, 1954 in die American Academy of Arts and Sciences und 1960 in die American Philosophical Society gewählt. Im Lauf der Jahre erhielt er zahlreiche Ehrendoktortitel, unter anderem von der Sorbonne, der Yale University sowie der Universitäten Oxford und München. Bis kurz vor seinem Tod veröffentlichte er weitere Essays und Dramen, unter anderem 1954 The Confidential Clerk (dt.: Der Privatsekretär) und 1959 The Elder Statesman (dt.: Ein verdienter Staatsmann).

Eliot betrachtete Literatur als Möglichkeit, in der chaotischen Wirklichkeit eine Ordnung aufzudecken und damit direkten Einfluss auf das individuelle Leben zu nehmen. Seine Denkweise war vom Buddhismus, vom christlichen Mystizismus und von der antiken Philosophie beeinflusst. Dabei vertrat er die Auffassung, dass man die Gegenwart nur verstehen könne, wenn man sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt. So wird über ihn geschrieben, dass seine spröde, beziehungsreiche Lyrik reich an Anspielungen auf Mythos, Kultur und Dichtungen der Jahrtausendwende sei. Sie spiegle eine aus den Fugen geratene Welt und versuche das Existenzproblem des modernen Menschen durch Hinwendung zu einem christlich fundierten Humanismus zu lösen. Seine Bühnenwerke seien die Wiederbelebung des poetischen Dramas.

T. S. Eliot verstarb am 4. Januar 1965 im Alter von 76 Jahren in London. Seine Witwe Valerie Eliot – das Ehepaar hatte 1957 geheiratet – verwaltete den Nachlass bis zu ihrem Tode im November 2012.

Thomas Krieger