Yasmina Reza

Yasmina Reza wurde am 1. Mai 1959 in Paris geboren. Sie stammt aus einer weitverzweigten jüdischen Familie. Ihr Vater war Iraner, ihre Mutter Ungarin. Sie wuchs in Paris, der Wahlheimat ihrer Großeltern, auf. Musik hatte dabei einen hohen Stellenwert im Familienleben, da ihre Mutter Violinistin war und ihr Vater, von Beruf Ingenieur, Klavier spielte. Yasmina Reza kommentierte dies so: „Ich würde meine Familie sicher nicht als Musikerfamilie bezeichnen, aber als Familie von passionierten Musikliebhabern. Mein Vater pflegte sich im Morgenmantel vor uns Kinder zu stellen und Beethovens Fünfte zu dirigieren, während dazu die Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern lief.“

Nach der Schulzeit nahm sie ein Schauspielstudium auf – zunächst an der Universität Paris-Nanterre, später an der Ecole Internationale de Théâtre Jacques Lecoq. Mit Abschluss des Studiums hatte sie zahlreiche Engagements auf französischen Bühnen in Stücken zeitgenössischer und klassischer Autoren.

1987 begann sie dann selbst zu schreiben. Die Erfolge ließen nicht auf sich warten. Bereits ihre ersten beiden Stücke Gespräche nach einer Beerdigung (1987) und Reise in den Winter (1989) wurden mit dem renommierten französischen Theaterpreis Molière ausgezeichnet. Ihr drittes Stück, „Kunst“, avancierte zum absoluten Welterfolg. Es erhielt mehrere Preise und war ihr endgültiger Durchbruch und wurde mittlerweile in 40 Sprachen übersetzt. Alleine in Deutschland wurde das Stück inzwischen von über 150 Profi-Bühnen gespielt.

Mit der wachsenden Berühmtheit als Bühnenautorin blieben Angebote an die Schauspielerin Yasmina Reza aus – mit Ausnahme eines eher zufälligen Engagements in der Pariser Erst-Inszenierung ihres zweiten großen Theatererfolgs, Drei Mal Leben (2000).

Ende der 1990er-Jahre erweiterte Yasmina Reza ihr schriftstellerisches Schaffen um Drehbücher und Prosa. Ihr Prosaband Hammerklavier erschien 1998 in deutscher Übersetzung. Hierbei fühlt sie sich durch die Vorgaben der verschiedenen Gattungen nicht eingegrenzt, sondern schätzt diese sehr, da sie ihr helfen, sich auf gewisse Dinge zu konzentrieren: „Das moderne Theater ist gewissermaßen der Gipfel der Vorgaben, das Königreich der Konzentration. Sie können nicht 400 Leute auf die Bühne stellen, Sie können nicht kommentieren, was die Figuren sagen, nicht korrigieren, was sie denken, Sie verfügen nur über begrenzte Zeit. Die Kunst besteht darin, innerhalb dieses fixen Rahmens die größtmögliche Phantasie zu entwickeln.“

2005 wurde ihr der Welt-Literaturpreis verliehen. Insbesondere durch ihre Stücke „Kunst“, Drei Mal Leben und Der Gott des Gemetzels (2006) wurde sie in den vergangenen Jahren zur weltweit meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerin. Doch auch ihre Romane Eine Verzweiflung (2001), Adam Haberberg (2005), Im Schatten Arthur Schopenhauers (2006), Frühmorgens, abends oder nachts (2008) über Nicolas Sarkozy, für den sie den späteren französischen Präsidenten ein Jahr lang im Wahlkampf begleitete, und Nirgendwo (2012) zeigen ihr großes schriftstellerisches Können.

Ein verbindendes Element fast aller ihrer Hauptfiguren ist deren Herkunft aus einem großbürgerlich jüdischen Milieu. Ein anderes Element ist ihr Bezug zu den Künsten. Beides deutet auf einen autobiografischen Hintergrund, zu dem sich Reza auch ausdrücklich bekennt. In ihre Dramen werden häufig Einflüsse Tschechows gedeutet, was Reza höchstens für ihre ersten beiden Stücke gelten lässt. Die gängige Zuordnung zum Boulevardtheater – häufig in Deutschland – weist sie entschieden zurück. Zu dieser Etikettierung kommt es am ehesten dann, wenn seitens der Inszenierung aus Rezas Witz Klamauk gemacht, wenn nicht wahrgenommen wird, wie vielschichtig ihre Stücke, wie nah auch am tödlichen Ernst sie sind. Gerade ihre besten Stücke sind inhaltsreich und konfliktgeladen, ihre Figuren lebendig und emotional. „Für mich ist Schreiben eine Erforschung des Menschlichen, ein Erschließen des Unbekannten. Das Schreiben erlaubt mir, andere Leben zu leben.“

Gemeinsam mit Roman Polanski verfasste sie das Drehbuch zur Verfilmung ihres Theaterstücks Der Gott des Gemetzels im Jahr 2011. Dies brachte ihr u. a. den französischen Filmpreis César ein.

Ihr jüngstes Stück Bella Figura wurde Mitte Mai 2015 auf der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin uraufgeführt, und somit am selben Ort, an dem schon zwanzig Jahre zuvor die deutschsprachige Erstaufführung von „Kunst“ stattfand.

Im Zusammenhang mit dem Kosmopolitismus ihrer Familie bekannte Reza, ihre einzige Heimat sei die französische Sprache.

Yasmina Reza lebt nach wie vor in Paris und hat eine Tochter und einen Sohn.

Thomas Krieger